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Anrede und Grußformel - Briefe und E-Mails richtig schreiben

Dresden, 8. Oktober 2025 – Lesezeit: 8 Minuten Junge Menschen, die ins Berufsleben einsteigen, jonglieren schon bald virtuos mit Excel-Tabellen und Präsentationen. Richtig so, mit jedem Tag lernt man mehr und will zeigen, was man auf der Tasche hat. Da ist die E-Mail an den Vorstand keine große Sache. Vorsicht Fettnäpfchen! Die vermeintlich banalen Dinge des Arbeitsalltags wie das Verfassen korrekter E-Mails und Briefe folgen eigenen Business-Regeln. Hat man die nicht auf dem Schirm, kann man schnell unhöflich wirken oder Geschäftspartner verärgern. Allerdings und ganz ehrlich, selbst "alte Hasen" kommen manchmal ins Grübeln, welche Form nun richtig ist.

Inhaltsübersicht

Höflichkeit und Etikette Die DIN 5008 korrekte Anrede mehrerer Personen korrekte Anrede mit Titeln Weitere Tipps zu Anreden korrekte Gruß- oder Schlussformel

Höflichkeit und Etikette sind Trumpf

Beim Verfassen geschäftlicher Korrespondenz zählen neben dem Inhalt und der optischen Gestaltung auch Höflichkeit und Etikette. Eine korrekte Schreibweise zeugt auch von Respekt gegenüber dem Adressaten. Diese Qualitäts-Ansprüche gelten für Briefe und E-Mails gleichermaßen.

DIN 5008

Die DIN 5008 regelt die Form, Struktur und Formatierung offizieller Schreiben wie Geschäftsbriefe. Damit wird eine Anleitung zur zweckmäßigen und übersichtlichen Gestaltung von Schriftstücken gegeben. Ihre Anwendung ist freiwillig. Ihre Vorgaben gelten jedoch als allgemeiner Standard für korrekte Schriftform. Allerdings sind nicht alle Fragen zur Geschäftskorrespondenz in der DIN-Norm geregelt. In diesem Blogartikel soll es anhand konkreter Beispiele um kniffelige Anreden, Grußformeln und allerlei Fettnäpfchen gehen.

Anrede mehrerer Personen

Wer steht bei der Anrede an erster Stelle, wenn Sie sich an mehrere Personen wenden? Entscheidend ist, die Hierarchien im Unternehmen zu kennen. Je nach Struktur können diese klar definiert, flach oder – etwa in Start-ups – kaum vorhanden sein. Wenn Sie sich unsicher sind, empfiehlt es sich, eher formell als locker zu formulieren. Nehmen wir als Beispiel den Vorstand der Sparkassen-Versicherung Sachsen. Die Vorstandsvorsitzende steht hierarchisch an oberster Stelle. Die beiden weiteren Vorstandsmitglieder sind hierarchisch gleichrangig.
Bsp.
Frau Stefanie Schlick (Vorstandsvorsitzende)
Herr Josef Kreiterling (Vorstandsmitglied)
Herr Dr. Mirko Mehnert (Vorstandsmitglied)

Reihenfolge der Anrede nach Hierarchie

Bei Personen auf unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen (HE) wird zuerst die Person mit der höchsten Position angesprochen. Dies gilt unabhängig von Titeln (Professor, Doktor) sowie vom Geschlecht.
Bsp.
Sehr geehrte Frau Schlick, (HE1)
sehr geehrter Herr Kreiterling, (HE2)
sehr geehrter Herr Dr. Mehnert, (HE2)

Reihenfolge der Anrede bei unterschiedlichen Hierarchiestufen aber mehreren Personen auf gleicher Ebene

Befinden sich unter den Adressaten mehrere Personen der gleichen Hierarchie-Ebene, so wird: Entweder die Frau zuerst genannt oder bei gleichem Geschlecht die alphabetische Reihenfolge der Namen angewendet.
Bsp.
Sehr geehrte Frau Schlick, (HP1)
sehr geehrte Frau Beispiel,  (HP2)
sehr geehrter Herr Dr. Mehnert, (HP2)

Sehr geehrte Frau Schlick, (HP1)
sehr geehrter Herr Kreiterling,  (HP2)
sehr geehrter Herr Dr. Mehnert, (HP2)
Diese Reihenfolge gilt nicht nur für die Briefanrede, sondern auch für das Adressfeld.

Anrede mit akademischen Titeln, Adelstiteln und von Amtsinhabern

Akademische Grade wie Bachelor, Master, Diplom, Ingenieur gehören in Deutschland nicht in eine Anrede. „Sehr geehrte Frau Diplom-Designerin Ulla Kreativ" ist also unüblich. Die Grade können aber in der Anschrift verwendet werden. Üblich im Geschäftsleben ist das meist beim Ingenieur, da dies eine Berufsbezeichnung ist, zum Beispiel: „Frau Dipl.-Ing. Ulla Muster“. Der „Doktor" ist der höchste akademischer Grad. Er kann in der Anrede abgekürzt werden. Das ist beim Doktor praktisch, da der Grad beziehungsweise die Abkürzung geschlechtsneutral sind.

Bei mehreren Doktortiteln wird in der Anrede nur einer genannt. Hier folgt auf den Doktortitel kein Fachgebiet, zum Beispiel Dr. med., Dr. jur. oder Dr. phil. In der Anschrift können alle Titel und das Fachgebiert angegeben werden.
 
Professor/Professorin sind akademische Titel. Dieser Titel ist auch eine Amts- oder Berufsbezeichnung für einen Lehrauftrag. Akademische Titel müssen immer ausgeschrieben werden. Allerdings wird heute sehr wohl zwischen „Herr Professor” und „Frau Professorin” unterschieden. „Frau Professor” ist out.  In der Anrede wird immer nur der höchste akademische Titel verwendet. „Sehr geehrter Herr Professor Dr. Mustermann” ist also falsch.
Bsp.
Sehr geehrter Herr Dr. Mustermann,
Sehr geehrte Frau Dr. Beispiel.
Sehr geehrte Frau Professorin Beispiel,
Sehr geehrter Herr Professor Mustermann,
Amtsinhaber werden entweder nur mit Namen oder mit der Amtsbezeichnung angeredet (bei Ministertiteln ist der Zusatz „Minister“ wahlweise):
Bsp.
Sehr geehrter Herr (Minister) Mustermann,
Sehr geehrte Frau Ministerin,
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Adelstitel werden grundsätzlich ohne den Zusatz „Herr/Frau“ genannt oder in der schriftlichen Anrede weggelassen. Für eine korrekte Ansprache pro Titel sollte man sich in der einschlägigen Fachliteratur noch mal informieren.
Bsp.
Sehr geehrter Graf von Musterhausen,
Sehr geehrte Gräfin von Musterhausen,
oder Sehr geehrter Herr von Musterhausen,
Sehr geehrte Frau von Musterhausen,

Weitere Tipps zu Anreden

Werden zwei Personen gleichen Namens angesprochen, beispielsweise Senior und Junior im Familienbetrieb, so ist der Vor- und Familienname zu verwenden. Sind beide Personen hierarchisch gleichgestellt, sollte man den Älteren zuerst nennen.
Bsp.
Sehr geehrter Herr Karl Mustermann,
sehr geehrter Herr Benjamin Mustermann,
Schreiben Sie die Anreden von mehreren Personen untereinander, nicht hintereinander. Das wirkt übersichtlicher.  Nach der Anrede wird gemäß DIN 5008 ein Komma gesetzt. Ein Ausrufezeichen ist veraltet und unüblich. Das zweite "sehr" wird immer klein geschrieben.
Bsp.
Richtig: Sehr geehrte Frau Mustermann,
sehr geehrter Herr Beispiel,
Suboptimal (wenn auch nicht falsch): Sehr geehrte Frau Mustermann, sehr geehrter Herr Beispiel,
Sehr geehrte Frau Mustermann!
Bei Paaren werden die Namen beider Personen verwendet. Die Anrede „Eheleute” ist heute nicht mehr gebräuchlich und wirkt altbacken. Bei gleichgeschlechtlichen Ehepaaren können zur Unterscheidung die Vornamen verwendet werden.
Bsp.
Sehr geehrte Frau Mustermann,
sehr geehrter Herr Mustermann,
Sehr geehrter Herr Frank Mustermann,
sehr geehrter Herr Tobias Mustermann,
Bei Gruppen mit mehr als drei Personen empfiehlt es sich, die Gruppe ohne Nennung der einzelnen Personen anzureden. Die gebräuchliche Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren” wirkt allerdings etwas unpersönlich. Ist der Adressat beispielsweise ein fünfköpfiger Vorstand, sollten alle Vorstandsmitglieder jeweils ein eigenes Schreiben erhalten. Dieses ist dann an sie persönlich gerichtet. Im Verteiler am Briefende können die anderen Personen genannt werden, die den Brief ebenfalls erhalten haben. Gleichermaßen kann man auch bei E-Mails verfahren. Wer ein Team oder eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen auf Arbeitsebene anspricht, kann die Formulierung „Liebe alle” (nicht „Liebe Alle”) verwenden. Wem das Wort „Liebe” im Kontext nicht zusagt, kann auch „Hallo Team” verwenden.
Bsp.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe alle,
Liebe Naturfreunde,
Hallo Team,

Ein Tipp noch zur Anrede:

Gesellschaftliche Regeln und Normen verändern sich mit der Zeit. Auch im geschäftlichen Umgang geht es heute etwas lockerer zu. Das Siezen ist in Deutschland dennoch eine gesellschaftliche Konvention, die sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich Bestand hat. Ohne eine Vereinbarung zum Du bleibt es in schriftlicher und mündlicher Kommunikation prinzipiell beim Sie.

Die Gruß- oder Schlussformel

Die Anrede ist der erste und die Grußformel der letzte Eindruck beim Empfänger. Beides bildet den formellen Rahmen schriftlicher Kommunikation und zeigt Wirkung auf den Leser. Die Wahl der Worte sollte deshalb zum Empfänger und zum Anlass des Schriftverkehrs passen. Welche Formel auch gewählt wird, sie steht für sich allein, ohne Punkt, Komma oder Ausrufezeichen. Das Komma ist nur im Englischen üblich. („Kind regards, Mrs Smith“). Smileys, Emojis oder Emoticons sind in der Grußformel tabu. Auf die Grußformel verzichten sollte man nur bei kurzen Infos per Mail unter Kollegen oder Freunden. Alles andere ist unhöflich, ja wirkt geringschätzig. Gleiches gilt für die Abkürzung der Grußformel mit MfG, LG etc. In formellen Schreiben hinterlässt die Abkürzung den Eindruck "die paar Worte sind Sie mir nicht wert". "Mit freundlichen Grüßen" ist die übliche und formelle Grußformel. Sie lässt sich durchaus variieren, insbesondere bei längerem Austausch hin und her. (Freundliche Grüße, Viele Grüße) "Herzliche Grüße" und "Liebe Grüße" sind Formeln, die – so nett wie es auch gemeint sein mag – eine gewisse Nähe und Vertrautheit mit dem Adressaten voraussetzen. Fehlt das, wirken sie deplatziert. Antiquiert wirken heute "Hochachtungsvoll" oder "Hochachtungsvolle Grüße". Mit unüblicher übertriebener Höflichkeit kann sich ein Empfänger veräppelt fühlen. Mit Wünschen wie "Ein schönes Wochenende" oder "Bleiben Sie gesund" kann man eine Grußformel ergänzen. Sie ersetzen diese jedoch nicht. Wird eine vertrautere und weniger formelle Grußformel gewählt, sollte sie empfängerorientiert sein. Nicht: "Sonnige Grüße aus Dresden", sondern "Sonnige Grüße nach München".  
Das sagt DIN 5008 zur Grußformel: Zwischen Fließtext und Grußformel sollte exakt eine Leerzeile stehen. Wird der Firmenname genannt, wird dieser mit einer Zeile Abstand zur Grußformel platziert. Zwischen Grußformel und Unterschrift werden rund drei Leerzeilen empfohlen.
Wertschätzende Kommunikation ist ein Element guter Sitten – beruflich wie privat – und ein Ausdruck guter Manieren. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Erfolg für Ihr weiteres Berufsleben und grüßen Sie herzlich.

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Autorin

Katrin Seefried

Arbeitet seit 2012 bei der Sparkassen-Versicherung Sachsen. Als Blog-Redakteurin schreibt sie mit Herz und Neugier über Themen, die das Leben sicherer, einfacher und ein Stück besser machen.
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