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Berufsunfähigkeits-Versicherung im Faktencheck

17.02.2022; aktualisiert: 16.01.2026 – Lesezeit: 4 Minuten Berufsunfähigkeit verändert die Gesundheit, den Alltag und oft auch die finanzielle Sicherheit. Fällt das Einkommen weg, gerät der Lebensstandard ins Wanken. Laufende Kosten oder Kredite können zu finanziellem Druck führen. Im schlimmsten Fall ist die Existenz bedroht. Eine Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) schützt in genau dieser Situation. Doch wie verlässlich ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung wirklich? Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigen: Ihr Ruf ist schlechter als ihre Leistung.

Sieben zentrale Fakten für einen realistischen Überblick:

Fakt 1: Die Berufsunfähigkeits-Versicherung zahlt Fakt 2: Gutachten selten und meist ein Vorteil für Versicherte Fakt 3: Die Prüfung eines BU-Antrags dauert ca. dreieinhalb Monate Fakt 4: Jeder Vierte wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig Fakt 5: Psychische Erkrankungen häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit Fakt 6: Die meisten Anträge auf eine BU-Versicherung werden angenommen Fakt 7: Der BU-Abschluss erfolgt im Schnitt mit knapp 29 Jahren

Fakt 1: Die Berufsunfähigkeits-Versicherung zahlt in den meisten Fällen

Die Sorge, dass eine Berufsunfähigkeits-Versicherung im Ernstfall nicht leistet, hält sich hartnäckig. Die Zahlen zeigen jedoch ein anderes Bild: Rund 80 Prozent aller Anträge auf Leistungen werden bewilligt. Kommt es doch zu einer Ablehnung, hat das in der Regel nachvollziehbare Gründe. Oft liegt keine Berufsunfähigkeit im Sinne der Versicherungsbedingungen vor. Etwa weil die betroffene Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf noch zu mindestens 50 Prozent ausüben kann. In anderen Fällen wird das Verfahren abgebrochen, beispielsweise weil sich der Gesundheitszustand verbessert hat. Oder weil Unterlagen nicht eingereicht wurden. Nur ein kleiner Teil der Ablehnungen hängt mit falschen oder unvollständigen Angaben beim Abschluss des Vertrages zusammen. Gerichtliche Auseinandersetzungen sind die Ausnahme. Nur ein sehr geringer Anteil der Fälle landet überhaupt vor Gericht. Viele dieser Verfahren enden mit einem Vergleich. Was heißt das für Sie?
Die Berufsunfähigkeits-Versicherung ist deutlich verlässlicher als ihr Ruf. Wenn Sie beim Abschluss sorgfältig vorgehen und im Leistungsfall vollständig mitwirken, haben Sie sehr gute Chancen auf die vereinbarte BU-Rente.

Fakt 2: Gutachten sind selten und meist ein Vorteil für Versicherte

Bei der Prüfung eines Antrags auf Berufsunfähigkeit verlassen sich Versicherer in der Regel auf die vorhandenen Unterlagen. Dabei sind vor allem ärztliche Atteste und medizinische Berichte entscheidend. Ein zusätzliches externes Gutachten wird nur in Ausnahmefällen eingeholt. Tatsächlich war 2023 in nur rund drei Prozent der Fälle ein neutrales Gutachten notwendig. Das kommt eher bei besonders komplexen Krankheitsbildern vor. Für Versicherte ist das häufig sogar positiv. In mehr als der Hälfte dieser Fälle fiel die Entscheidung zugunsten der Antragsteller aus. Anschließend wurde die vereinbarte BU-Rente ausgezahlt. Was ist für Sie wichtig?
Ein Gutachten ist kein Misstrauensvotum, sondern dient der Klärung. In vielen Fällen verbessert es sogar die Chancen auf eine Zusage von Leistungen.

Fakt 3: Die Prüfung eines BU-Antrags dauert im Schnitt rund dreieinhalb Monate

Im Jahr 2023 vergingen zwischen der Antragstellung und der Entscheidung des Versicherers durchschnittlich 110 Tage. Der größte Teil dieser Zeit entfällt auf das Zusammenstellen der medizinischen Unterlagen und der ärztlichen Stellungnahmen. Sobald alle Dokumente vollständig vorliegen, geht es in der Regel schnell. Die eigentliche Entscheidung trifft der Versicherer im Durchschnitt innerhalb von etwa zehn Tagen. Was sollten Sie beachten?
Eine sorgfältige und vollständige Einreichung aller Unterlagen kann den Prozess deutlich beschleunigen. Dennoch ist Geduld wichtig, vor allem, weil medizinische Abklärungen Zeit brauchen.

Fakt 4: Jeder Vierte wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig

Das Risiko, berufsunfähig zu werden, wird oft unterschätzt. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei rund 25 Prozent. Statistisch gesehen ist somit jeder vierte Erwerbstätige mindestens einmal im Arbeitsleben davon betroffen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Berufsunfähigkeit nicht vom ausgeübten Beruf abhängig ist. Auch Menschen mit Büro- oder akademischen Tätigkeiten sind betroffen. Fällt das Einkommen weg, geraten viele schnell in finanzielle Schwierigkeiten – besonders dann, wenn keine private Absicherung besteht. Die gesetzliche Erwerbsminderungs-Rente bietet nur einen begrenzten Schutz. Für die meisten Versicherten greift sie erst bei einer starken Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In der Regel liegt sie zudem deutlich unter dem letzten Einkommen.
Was ist für Sie wichtig?
Eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung schließt eine echte Versorgungslücke. Und zwar unabhängig davon, wie „sicher“ der eigene Job auf den ersten Blick wirkt.

Fakt 5: Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit

Psychische Erkrankungen sind heute die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Im Jahr 2023 waren sie für rund 37 Prozent aller BU-Fälle verantwortlich. Dazu zählen beispielsweise Depressionen, Burnout oder Angststörungen. An zweiter Stelle stehen Erkrankungen des Bewegungsapparats, wie Rückenleiden oder Gelenkprobleme, dicht gefolgt von Krebserkrankungen. Schwere Unfälle spielen dagegen eine vergleichsweise geringere Rolle. Im Durchschnitt werden Versicherte mit 48 Jahren berufsunfähig. Da die BU-Rente häufig bis zum Erreichen des Rentenalters gezahlt wird, kann sich eine Leistungsdauer von rund 20 Jahren ergeben. Was bedeutet das für Sie?
Berufsunfähigkeit ist kein Randthema und nicht nur ein Unfallrisiko. Gerade langfristige Erkrankungen machen eine finanzielle Absicherung besonders wichtig.

Fakt 6: Die meisten Anträge auf eine BU-Versicherung werden angenommen

Auch beim Abschluss einer BU-Versicherung zeigen die Zahlen ein klares Bild: Die große Mehrheit der Anträge wird bewilligt, meist ohne Beitragszuschläge oder Ausschlüsse von Leistungen Nur in wenigen Fällen verlangen Versicherer einen Zuschlag. Oder sie schließen bestimmte Risiken aus, etwa bei bekannten Vorerkrankungen. Komplett abgelehnt wird nur ein sehr kleiner Teil der Anträge. Dies geschieht meist aufgrund eines nicht kalkulierbaren Risikos. Was bedeutet das für Sie?
Wenn Sie frühzeitig vorsorgen und die Gesundheitsfragen korrekt beantworten, haben Sie sehr gute Chancen auf einen umfassenden BU-Schutz.

Fakt 7: Der BU-Abschluss erfolgt im Schnitt mit knapp 29 Jahren – je früher, desto besser

Im Jahr 2023 schlossen Versicherte ihre Berufsunfähigkeits-Versicherung im Durchschnitt mit knapp 29 Jahren ab. Ein früher Abschluss zahlt sich aus. Junge Menschen haben in der Regel noch keine oder wenige Vorerkrankungen. Deshalb profitieren sie von günstigeren Beiträgen. Viele Tarife bieten einen weiteren Vorteil: Spätere Erhöhungen der versicherten Rente – etwa bei Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf – sind ohne eine erneute Prüfung der Gesundheit möglich. Welchen Nutzen hat das für Sie?
Wenn Sie sich in jungen Jahren für eine BU-Versicherung entscheiden, sichern Sie sich günstige Konditionen und langfristige Flexibilität. Das ist oft ein Vorteil fürs gesamte Berufsleben.
Die sieben Fakten zeigen, dass die Berufsunfähigkeits-Versicherung besser ist als ihr Ruf. In den meisten Fällen leistet sie. Sie wird fair geprüft und bietet einen unverzichtbaren Schutz, wenn das Einkommen plötzlich wegfällt. Entscheidend ist, sich frühzeitig und bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wer seine Risiken realistisch einschätzt und auf eine saubere Antragstellung achtet, sichert sich eine finanzielle Grundlage. Und zwar für den Fall, dass das Berufsleben anders verläuft als geplant.
Quelle: Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV); Grafiken und Zahlen: GDV
Autorin

Katrin Seefried

Arbeitet seit 2012 bei der Sparkassen-Versicherung Sachsen. Als Blog-Redakteurin schreibt sie mit Herz und Neugier über Themen, die das Leben sicherer, einfacher und ein Stück besser machen.
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