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Frau zeigt lächelnd auf ein Balkendiagramm

Gender Wealth Gap

Ursachen und Lösungen für Frauen

15.10.2025 – Lesezeit: 4 Minuten Wie finden Sie das? Sie haben jahrelang gearbeitet, gespart und investiert. Und trotzdem steht Ihr Partner am Ende mit deutlich mehr Vermögen da. Was wie ein Einzelfall klingt, ist für viele Frauen in Deutschland Realität. Die Rede ist vom Gender Wealth Gap. So heißt die Vermögenslücke zwischen Frauen und Männern. Warum ist das so? Und was können Frauen tun, um sie zu schließen?

Inhaltsübersicht

Der Gender Wealth Gap zeigt Vermögensunterschiede auf Geschlechtsspezifische Zahlen, die nachdenklich machen Gründe für die Vermögensunterschiede Warum Vermögensaufbau wichtig ist Wie Frauen den Wealth Gap überwinden können Sicherheit und Rendite kombinieren

Der Gender Wealth Gap zeigt Vermögensunterschiede auf

Der Gender Wealth Gap beschreibt die Vermögens-Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Berücksichtigt werden dabei nicht nur das Einkommen, sondern auch Ersparnisse, Immobilienbesitz, die Altersvorsorge und Investitionen. Das Ganze abzüglich Schulden und Verbindlichkeiten. Das Problem: Individuelle Vermögens-Daten von Frauen lassen sich schwer erfassen. Viele Erhebungen basieren auf Haushaltsebene, wo sich die Finanzen mit denen des Partners vermischen. In Deutschland liefert das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) die wichtigsten Daten. Danach besitzen Frauen im Durchschnitt rund 27 Prozent weniger Netto-Vermögen als Männer. Dabei dominieren Männer in nahezu allen Vermögens-Kategorien.

Geschlechtsspezifische Zahlen, die nachdenklich machen

Im Jahr 2024 verdienten Frauen in Deutschland im Durchschnitt 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Selbst bei vergleichbarer Qualifikation beträgt der bereinigte Unterschied etwa 6 Prozent (bereinigter Gender Pay Gap). Im Ruhestand wird die Lücke noch größer. Frauen beziehen rund 26 Prozent niedrigere Einkünfte im Alter als Männer. Das wird als Gender Pension Gap bezeichnet. Die Folge: Beim Eintritt in die Rente erreichen Frauen im Durchschnitt nur 76 Prozent des Vermögens ihrer männlichen Altersgenossen. Sie haben also weniger Einkommen und weniger Vermögen, aus dem sie aufstocken könnten. Je wohlhabender die Haushalte, desto größer übrigens die Lücke. Unter den Superreichen sind Frauen weiterhin die Ausnahme.
Daten:Statistisches Bundesamt (Destatis); WTW Global Gender Wealth Equity Report

Gründe für die Vermögensunterschiede

Lohnunterschiede: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, meist, um Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen. Weniger Arbeitszeit bedeutet weniger Einkommen, geringere Renten-Ansprüche und weniger Spielraum zum Sparen. Zudem wählen viele Frauen Berufe, die ihnen Sicherheit oder Sinn bieten. Männer entscheiden eher nach dem Verdienstpotenzial.
 
Gesellschaftliche Muster: 
Eine Ehe und die Gründung einer Familie vergrößern die Einkommenskluft. Studien zeigen: Das Einkommen von Frauen sinkt im Schnitt um 20 Prozent, nachdem sie geheiratet haben. Das Einkommen der Männer bleibt hingegen stabil. Dies gilt unabhängig davon, ob Kinder geboren werden. Gründe hierfür sind steuerliche Fehlanreize wie das Ehegatten-Splitting sowie traditionelle Rollenbilder. In Ostdeutschland fällt dieser Effekt historisch bedingt geringer aus. Die Erwerbstätigkeit von Frauen war dort stärker etabliert.
 
Vorsicht beim Investieren
Viele Frauen investieren seltener oder eher defensiv. Das liegt weniger an fehlender Bildung als vielmehr am geringeren Selbstvertrauen. Bereits in der Schulzeit zeigen Mädchen weniger Selbstbewusstsein in Finanzfragen. Später delegieren sie Entscheidungen über Anlagen häufig an ihren Partner oder eine Bank.

Kurz gesagt: Frauen sind oft zu sozial, mögen Sicherheit, leisten viel unbezahlte Sorgearbeit und kümmern sich zu selten aktiv ums eigene Geld.

Warum Vermögensaufbau wichtig ist

Der Aufbau eigenen Vermögens bedeutet finanzielle Unabhängigkeit. Und finanzielle Unabhängigkeit ist kein Luxus. Sie ist eine Voraussetzung für echte Entscheidungsfreiheit. Sie schützt vor Abhängigkeiten, sei es in Beziehungen, bei Trennung oder im Alter. Denn wer ein finanzielles Polster hat, kann in Krisen selbstbestimmt handeln. In Partnerschaften zählt nicht nur, wer wie viel verdient, sondern auch: Wie wird das Geld genutzt? Wird gemeinsam gespart und investiert? Oder bleibt das Vermögen unausgeglichen? Finanzielle Fairness ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern stärkt auch Beziehungen.

Wie Frauen den Wealth Gap überwinden können

Früh Verantwortung übernehmen. Finanzwissen aktiv aufbauen. Selbst investieren und langfristig planen.

Jede Lebensphase bringt eigene Chancen und Herausforderungen mit sich:

Single

Einnahmen realistisch einschätzen und regelmäßig sparen. Frühzeitig mit der privaten Altersvorsorge beginnen. Mit kleinen Beträgen in ETFs oder Fonds erste Anlageerfahrung sammeln.

Familiengründung

Offen und regelmäßig m it dem Partner über Geld sprechen. Gemeinsame Sparziele und Vorsorgestrategien festlegen. Ausfallzeiten (Elternzeit, Pflege) finanziell ausgleichen, beispielsweise durch Ausgleichszahlungen oder gemeinsame Rücklagen.

Trennung oder Ruhestand

Rechtzeitig Klarheit schaffen. Welche Vermögenswerte gehören wem? Welche Ansprüche bestehen (zum Beispiel Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich)? Verträge und Konten prüfen. Im Fall einer Trennung sollten Versicherungen, Konten, Vollmachten und das Testament angepasst werden. Ruhestand planen. Welche Renten- und Vorsorgeansprüche bestehen? Lohnt sich ein späterer Rentenbeginn oder eine zusätzliche private Vorsorge? Immobilien und Altersvorsorge strategisch sichern: Eigentumsverhältnisse klären, Verrentung beziehungsweise Teilverkauf prüfen.  

Sicherheit und Rendite kombinieren

Beim Vermögensaufbau müssen Sie sich nicht zwischen Sparbuch und Aktien entscheiden. Eine gute Strategie kombiniert sichere Anlagen (zum Beispiel Tagesgeld, Versicherungen) mit renditestarken Investments (zum Beispiel ETFs, Immobilien, Aktien oder fondsgebundenen Versicherungen).

Durch Diversifikation (Streuung) können Verluste vermieden werden. Und ein langer Anlage-Horizont lässt Vermögen wachsen. Auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Fazit: Schritt für Schritt zum eigenen Vermögen

Jeder Schritt zählt, wenn Sie – ob allein oder als Paar – mehr finanzielle Fairness schaffen wollen. Der Schlüssel sind eigenständige Entscheidungen, kontinuierliche Weiterbildung und bewusstes Investieren. Der Gender Wealth Gap ist kein unabänderliches Schicksal. Machen Sie sich selbst zur Expertin für Ihre Finanzen. Denn Finanzen sind natürlich auch Frauensache!

Wer die Sprache meistert, meistert das Denken. Und wer das Geld versteht, meistert das Leben. (Edward Bernays)

Autorin

Katrin Seefried

Arbeitet seit 2012 bei der Sparkassen-Versicherung Sachsen. Als Blog-Redakteurin schreibt sie mit Herz und Neugier über Themen, die das Leben sicherer, einfacher und ein Stück besser machen.
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