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    Mediation – Streit außergerichtlich beilegen

Dresden, 14. Juli 2022 | (ks)
 
Mediation ist ein spezielles Streitbeilegungsverfahren, in dem die Streitparteien mit Hilfe eines ausgebildeten Streitschlichters (Mediator) selbst eine Lösung für die Beilegung ihres Konfliktes suchen. Dieses Verfahren ist eine Alternative zu langwierigen, aufwendigen und kostenintensiven Gerichtsprozessen mit ungewissem Ausgang. Rechtsschutzversicherungen übernehmen in der Regel die Kosten für die Mediation.
 
Alltägliche Konflikte können schnell eskalieren. Die Fronten verhärten sich dann und eine lösungsorientierte Kommunikation wird unmöglich. Man denke nur an Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Scheidungen. Sicher – Gerichte können als letztes Mittel Recht sprechen und Paragrafen strapazieren. Ein Urteil oder ein Vergleich regelt, wie das aussieht. Ob beide Parteien das als gerecht empfinden, steht auf einem anderen Blatt. Ein juristisches Verfahren spaltet die Beteiligten in Gewinner und Verlierer. Hinzu kommen Kollateralschäden wie dauerhaft zerstörte Beziehungen, hohe Kosten und strapazierte Nerven.

Mittels Mediation Konflikte lösen und Beziehungen erhalten

Mediation bietet den Weg einer Konfliktlösung alternativ zum Rechtsweg. Zu den Grundsätzen der Mediation zählen Freiwilligkeit, Konfliktlösungspotenzial und Autonomie der beteiligten Konfliktparteien (Medianten). Sie müssen die Bereitschaft und Fähigkeit zur Konfliktbeilegung mitbringen, da in der Mediation kein Gewinner-Verlierer-Ausgang, sondern ein Konsens angestrebt wird. Deshalb eignet sich Mediation besonders bei Streitigkeiten, wo die Beteiligten hinterher immer noch miteinander auskommen wollen oder müssen. Dies ist oft bei Konflikten im nachbarschaftlichen/mietrechtlichen Umfeld, im Arbeitsumfeld sowie im schulischen und familiären Umfeld der Fall.
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Mediation erfolgt auf gesetzlicher Grundlage

Es ist auch gar nicht notwendig oder sinnvoll, jeden Streitfall auf dem Rechtsweg zu klären. Der Gesetzgeber sah das genauso. 2012 hat der Bundestag das Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktbeilegung beschlossen. Im Gesetz sind unter anderem wesentliche Aufgaben, Pflichten, Ausbildungsanforderungen des Mediators/der Mediatorin und die Grundzüge des Verfahrens geregelt.
 

Was sind die Vorteile einer Mediation?

  • außergerichtliches, gesetzlich festgelegt vertrauliches Verfahren
  • auf freiwilliger und neutraler Basis
  • Beachtung der Bedürfnisse und Interessen beider Konfliktparteien
  • konstruktive Konfliktbearbeitung
  • Begleitung durch die Mediatorin/den Mediator als eine neutrale, ausgebildete Person, die jedoch keine eigene Entscheidungsbefugnis hat
  • Selbstbestimmtes Handeln in Eigenverantwortlichkeit – die Konfliktparteien erarbeiten die Konfliktlösung (unter Anleitung des Mediators) Schritt für Schritt selbst
  • geringere Kosten als der Gerichtsweg
  • weniger Zeitaufwand/kürzeres Verfahren
  • kein Verlierer und Gewinner – beide Parteien können das Gesicht wahren
 

Welche Qualifikation und Rolle haben Mediatoren?

Mediator/in ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Mediatoren sind aber in der Regel professionell für diese Funktion/Rolle ausgebildet und entsprechend zertifiziert. Oft handelt es sich um Juristen, die eine Zusatzausbildung absolviert haben. Sie bringen bereits einiges Rüstzeug mit zum Beispiel eine professionelle Verhandlungsführung. Mediatoren sind zudem zu regelmäßiger Weiterbildung verpflichtet. Zum Handwerkszeug eines Mediators gehören außerdem Empathie, aktives Zuhören und das Paraphrasieren sowie Kommunikationsstärke. Sie beherrschen Interventionstechniken in der Gesprächsführung. So können sie mit unangenehmen Situationen umgehen, Perspektivwechsel herbeiführen oder die tatsächlichen Wünsche und Bedürfnisse der einzelnen Partei herausarbeiten.
 
Mediatoren arbeiten überparteilich als unabhängige Dritte. Sie sind beiden Konfliktparteien gleichermaßen verpflichtet und stehen den Parteien neutral gegenüber. Sie dürfen weder Entscheidungen treffen noch Lösungsvorschläge unterbreiten. Sie zeigen den Mediations-Ablauf auf, moderieren den Prozess, leiten zur Konfliktlösung an und unterstützen alle Beteiligten. Sie machen jedoch auch Grenzen ihrer Kompetenz und Unparteilichkeit kenntlich. Die Funktion des Mediators trägt wesentlich dazu bei, Beziehungen zu erhalten oder wiederherzustellen.
 

Wie läuft eine Mediation ab?

Mediation läuft nach einem Schema ab, dass sich häufig in fünf Phasen gliedert. Innerhalb dieses Prozesses werden nicht nur die eigentlichen Ursachen des Konfliktes ergründet, sondern auch die persönlichen Blickwinkel und Wünsche der Konfliktparteien einbezogen.
 
Grundlage des Prozesses sind definierte Regeln, die von allen Beteiligten akzeptiert werden und für alle umsetzbar sein müssen. Dazu gehört ein respektvoller Umgang miteinander, gegenseitiges Zuhören und sich Ausreden lassen.
Phase 1: Die Eröffnung
    • Aufklärung über Ablauf und Regeln, Festlegung von individuellen Regeln der Beteiligten (Medianten)
    • Abschluss eines Mediationsvertrages
Phase 2: Die Klärung / Sammlung von Themen
    • Mediator verschafft sich einen Überblick über die Konfliktsituation - Erarbeitung einer Themensammlung
    • Austausch von Standpunkten und Sichtweisen der Medianten bei ausgeglichenen Redeanteilen beider Parteien
    • Mediator überprüft und festigt seine Eindrücke durch Techniken wie Zusammenfassen, Paraphrasieren, Verständnis- und Hintergrundfragen
    • Veranschaulichung der Konfliktthemen auf Flipchart, Whiteboard oder Ahnlichem
Phase 3: Die Hintergründe
    • Herausarbeitung von Motiven, Gefühlen, Wünschen, Interessen und Bedürfnissen der Medianten (meist liegen hier unbewusste Ursachen des Konfliktes)
    • Mediator beginnt mit einer langsamen Einleitung einer direkten Kommunikation zwischen den Medianten
    • Durchführung von Einzelgesprächen, falls Prozess stagniert
Phase 4: Erarbeiten von Lösungen
    • Suche nach Lösungswegen durch die Medianden, dabei Anwendung kreativer Techniken wie beispielsweise Brainstorming, Mindmapping
    • Sammlung und Bewertung der Vorschläge nach ihrer Realisierbarkeit für beide Parteien
Phase 5: Die Einigung
    • Festhalten einer erzielten Einigung
    • schriftliche Fixierung im Rahmen einer Abschlussvereinbarung
    • den Inhalt bestimmen die Medianden selbst
    • Unterzeichnung der Vereinbarung durch die Medianden
    • auf Wunsch ist Überprüfung durch einen Anwalt möglich

Was kostet Mediation?

Mediation wird meist nach Stundenhonorar abgerechnet. Das vereinbaren Mediator/in und Medianten miteinander. Das Honorar schwankt je nach Mediator/in und Fall. Die durchschnittlichen Stundensätze liegen ca. zwischen 150 und 300 Euro. Die Medianten teilen sich die Kosten. Die Dauer der Mediation bestimmt deren Kosten wesentlich mit.
 

Bezahlt die Rechtsschutzversicherung die Mediation?

Auch die Kosten für eine außergerichtliche Streitbeilegung übernimmt in der Regel die Rechtsschutzversicherung. Je nach Vertrag können die Leistungen unterschiedlich (Pausch- oder Höchstbetrag) ausgestaltet sein. Oftmals entfällt für Mediation – wie bei der ÖRAG Rechtsschutzversicherung – die üblicherweise vereinbarte Selbstbeteiligung.
Übrigens: Kommt es per Mediation nicht zu einer Einigung, steht den Medianden der Weg zum Gericht immer noch frei. Die Rechtsschutzversicherung übernimmt auch dann die Kosten zu den vereinbarten Konditionen.

Andere Mediationsformen

  • Team-Mediation (Co-Mediation) mit zwei Mediatoren
  • telefonische Mediation (in Einzelgesprächen)
  • Online-Meditation
  • Kurz-Zeit-Mediation
 

Alternativen zur Mediation

Außer einer Mediation gibt es noch weitere Möglichkeiten, einvernehmliche Lösungen im Streit zu finden. Einige Verfahren wie die Supervision sollen verhindern, dass Unruhen oder Missstimmungen überhaupt erst in einen Konflikt münden. Zu den alternativen Verfahren gehören:
 
  • die Schlichtung
  • die Kooperative Verhandlung
  • die Konfliktmoderation
  • die Supervision

Fazit:

Was Gerhard Bronner über die Fairness sagte, lässt sich auch auf die Mediation anwenden: Mediation ist die Kunst, sich in den Haaren zu liegen, ohne die Frisur zu zerstören. Am Ende soll es bei jedem gut aussehen und sich jeder mit der Lösung wohlfühlen.
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