Ob es darum geht, Geld bei der Bank zu leihen, einen Handyvertrag abzuschließen oder eine neue Wohnung zu mieten: In vielen Lebenssituationen prüfen Unternehmen heute die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern. Ein zentrales Instrument dafür ist die SCHUFA. Ihre errechnete Bonitätskennzahl – der Schufa-Score – wird ab 2026 reformiert.
Was ist die Schufa? Welche Daten speichert sie? Wie wird der Schufa-Score neu berechnet? Diese und weitere Fragen beantwortet dieser Artikel.
Wer oder was ist die SCHUFA?
Die Abkürzung steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung”. Die Schufa Holding AG ist eine deutsche Wirtschaftsauskunftei in privater Hand in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Sie hat ihren Sitz in Wiesbaden.
Zu ihren Aktionären gehören Kreditinstitute, Handelsunternehmen und sonstige Dienstleister. Das Unternehmen versorgt seine Vertragspartner als Dienstleister mit Auskünften zur Bonität (Kreditwürdigkeit) einzelner Personen. Sie bietet auch Bonitätsauskünfte über Unternehmen an.
Wie sammelt die SCHUFA Daten?
Die Auskunftei erhebt keine eigenen Daten im klassischen Sinne. Sie bezieht ihre Daten von Vertragspartnern:
Banken und Kreditinstituten
Leasing- und Finanzgesellschaften
Mobilfunk- und Energieanbieter
sowie anderen Unternehmen, die Verträge mit Verbrauchern abschließen zum Beispiel Handelsunternehmen.
Auch Daten aus öffentlichen Quellen, wie Schuldnerverzeichnissen, fließen ein.
Die Schufa verwaltet einen gigantischen Datenbestand. Es ist davon auszugehen, dass inzwischen fast alle erwachsenen Bundesbürger bei der Schufa erfasst sind. Das Unternehmen ist der Marktführer unter den Auskunfteien. Laut eigenen Angaben arbeitet die Schufa mit Daten von knapp 68 Millionen Menschen.
Welche Daten speichert die SCHUFA und welche nicht?
Die gespeicherten Informationen lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
Personenbezogene Daten:
Diese dienen der Zuordnung von Auskünften.
Name, Geburtsdatum, Geburtsort
aktuelle Adresse und frühere Adressen
Vertrags- und Bonitätsdaten:
Hierzu zählen Angaben zu:
Kredite, Leasing und Ratenzahlungen
Giro- und Kreditkartenkonten
Mobilfunk- und Energieverträgen
Zahlungsausfälle, Mahnverfahren oder Insolvenzen
Die SCHUFA speichert keine der folgenden Daten: zum Familienstand, zur Nationalität, zum Beruf, zum Arbeitgeber, zum Einkommen, zu Guthaben oder zu Wertpapierdepots sowie keine Marketingdaten, beispielsweise zum Kaufverhalten. Das Speichern besonderer Daten wie Religion oder Herkunft ist außerdem nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verboten.
Wie lange werden Daten gespeichert?
Die SCHUFA speichert Daten nach Fristen des Code of Conduct des Verbandes "Die Wirtschaftsauskunfteien e.V.". Gesetzliche Vorgben gibt es nicht. In der Regel werden Einträge 36 Monate nach Abschluss eines Geschäftsvorfalls gelöscht.
Seit Januar 2025 gibt es eine verkürzte Speicherfrist von 18 Monaten im Falle einer ersten Zahlungsstörung. Diese sogenannte „100-Tage-Regelung“ greift unter bestimmten Voraussetzungen und nur, wenn die ausstehende Zahlung innerhalb von 100 Tagen beglichen wurde.
Auf Antrag können Sie folgende Daten bei der SCHUFA löschen oder berichtigen lassen:
Informationen, die zu Dokumentationszwecken gespeichert wurden,
falsche Informationen,
nicht mehr aktuelle Informationen.
Der SCHUFA-Score ist Ihre Bonitätskennzahl
Der SCHUFA-Score ist eine Kennzahl, die aus Ihren gespeicherten Daten berechnet wird. Sie spiegelt die statistische Wahrscheinlichkeit wider, ob Sie Ihren vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Diese Prognose nutzen Unternehmen als Entscheidungshilfe, beispielsweise bei Kreditvergaben, Handyverträgen oder Mietverträgen.
Grundlegende Reform der Berechnung der Bonität
Ende März 2026 tritt ein neuer, einheitlicher und transparenter SCHUFA-Score in Kraft. Er ersetzt den bisherigen Basisscore sowie alle branchenspezifischen Scores. Die SCHUFA verspricht, dass Verbraucher ihre eigene Score-Berechnung nachvollziehen können. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz.
In den alten Score flossen mehr als 250 mögliche Kriterien ein. Für den neuen Score hat die SCHUFA diese auf zwölf verständliche und zugleich aussagekräftige Kriterien reduziert. Das Ziel einer hohen Prognosegüte bleibt bestehen.
Die Bewertung der Kriterien erfolgt auf einer Punkteskala von 100 bis 999 statt auf der alten 0- bis 100-Prozent-Skala. Je höher die Gesamtpunktzahl ausfällt, desto kreditwürdiger soll der jeweilige Verbraucher sein.
Zu den zwölf Kriterien gehören unter anderem:
die Dauer des bisherigen Vertrags- und Kontenverlaufs
Anzahl und Art von Anfragen oder abgeschlossenen Verträgen
Vorhandensein von negativen Einträgen
Identitätsprüfungen
Art und Mischung der bestehenden Kredite
Vor allem soll der neue Score nachvollziehbar sein und beeinflussbar werden. Dazu die Schufa: "Durch den völlig transparenten Score wissen Verbraucher in Zukunft genau, wie sie ihren Score beeinflussen und verbessern können."
Der neue, kostenlose Online-Zugang, der Schufa-Account
Auch das ist neu ab 2026. Die SCHUFA möchte, dass Menschen ihre Daten und ihren Score zukünftig jederzeit digital und kostenfrei über einen SCHUFA-Account einsehen können.
Weitere Vorteile des Accounts:
Verbraucher können erkennen, welche Unternehmen in den letzten zwölf Monaten ihre Bonität abgefragt haben.
Sie können Fehler sehen und über einen Link zur Korrektur melden.
Verbraucher können sogar simulieren, wie sich bestimmte Änderungen auf den Score-Wert auswirken.
Die Freischaltung erfolgt stufenweise. Interessierte müssen jedoch zuvor eine Warteliste durchlaufen. Für den Zugang ist eine Identitätsprüfung (zum Beispiel via Online-Ausweis) nötig.
Eine SCHUFA-Auskunft erhalten
Unabhängig vom SCHUFA-Account können Sie bei der SCHUFA jederzeit eine Auskunft anfordern. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:
Die kostenlose „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO“ zur eigenen Prüfung. Die kostenlose Selbstauskunft kann nicht mehr nur einmal jährlich, sondern bei Bedarf öfter angefordert werden.
Den kostenpflichtigen „SCHUFA-Bonitäts-Check“, der sofort online verfügbar ist. Dieser wird beispielsweise für Vermieter oder Banken benötigt.
Tipps für den Alltag:
Regelmäßig selbst prüfen: Erkennen Sie falsche oder veraltete Einträge frühzeitig.
Managen Sie Ihre Verträge verantwortungsvoll: Pünktliche Zahlungen schlagen sich positiv nieder.
Vermeiden Sie unnötige Kredit-Anfragen, die den Score senken können. Reine Konditionsanfragen sind neutral und haben keine Auswirkungen.
Schnell handeln: Sprechen Sie bei einer schwierigen finanziellen Lage frühzeitig mit Ihren Vertragspartnern. Oft lassen sich Lösungen finden. Auch Versicherer bieten hier zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten an. Beispielsweise können Sie Beiträge stunden lassen ohne ihren Versicherungsschutz zu verlieren.
Fazit:
Die SCHUFA spielt eine wichtige Rolle im Finanzleben der Verbraucher. Ab 2026 erleben wir eine bedeutende Reform, die für mehr Transparenz und Digitalisierung sorgt. Es lohnt sich, sich mit den eigenen Daten zu beschäftigen. So können Sie Ihre Chancen auf Kredite, Miet- oder Mobilfunkverträge deutlich erhöhen und bessere Konditionen erhalten.
Ausführliche Informationen zu den Themen finden Sie unter den folgenden Links: