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  • Frau sitzt im Kofferraum eines E-Auto, das lädt

    Wie verkraften Elektroautos Hitzetage?

Dresden, 23. Juni 2026 | (ks)
 
Elektroautos kommen mit den in Europa üblichen Witterungsbedingungen gut zurecht, auch mit Hitze und Kälte. Extreme Temperaturen können die Reichweite zwar etwas beeinträchtigen. Eine besondere Gefahr stellen sie aber nicht dar. Denn wie Menschen und Tiere leiden letztlich alle Autos unter großer Hitze, egal ob mit Strom oder Verbrennungsmotor. Die Anforderungen an die Kühlsysteme steigen entsprechend, doch der Stand der Technik hält mit.
 

Warum moderne Elektroautos hitzefest sind

Blick in den Motor eines Elektroautos
Moderne Elektroautos sind hitzefest, weil sie eine besondere Kühltechnik haben. Diese Technik hält die Batterie, den Elektromotor und die Leistungselektronik im richtigen Temperaturbereich. So wird verhindert, dass sie zu heiß werden.
 
Die ideale Temperatur für die Batterie liegt zwischen 20 und 40 Grad Celsius, je nachdem, wie die Zellen chemisch aufgebaut sind. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom Batterie-Thermo-Management. Das bedeutet, dass der Motor und die Leistungselektronik immer gekühlt werden müssen, während die Batterie je nach Situation entweder gekühlt oder beheizt wird. Das hilft, ihre Lebensdauer zu verlängern.
 
Bei älteren Fahrzeugen ohne aktive Batteriekühlung, wird die Leistung reduziert, wenn es zu heiß wird, um die Batterie zu schützen. Das passiert auch, wenn man das Auto sehr schnell auflädt, was als Rapidgate bezeichnet wird.

Die Wärmepumpe im E-Auto wird zum technischen Standard

Im Bereich des Thermo-Managements hat sich in den letzten Jahren viel verändert. In Elektroautos wird die Wärmepumpe immer öfter serienmäßig eingebaut. Intelligente Thermo-Management-Systeme nutzen sie, um die Batterie in gutem Zustand zu halten und den Innenraum zu kühlen oder zu heizen. Wärmepumpen können sogar Abwärme aus dem Motor und der Elektronik energetisch zurückzugewinnen.

Dafür stellte 2024 die Firma Hanon Systems die ersten Wärmepumpen-Systeme der vierten Generation vor. Durch die Nutzung von Abwärme aus der Außenluft, dem Elektromotor und der Batterie wird der Batterie weniger Energie entzogen. Das verbessert die Energieeffizienz und erhöht die Reichweite bei extrem kaltem oder heißem Wetter erheblich.

Die Klimaanlage kostet etwas Reichweite

Anzeige Ladestand im Display eines E-Autos
Genau wie bei Verbrennungsmotoren verringert die Klimaanlage die Reichweite – vor allem bei extremen Temperaturen. An heißen Tagen beträgt der Reichweiten-Verlust etwa 10 bis 15 Prozent. Im tiefen Winter sind es durch das Zusammenspiel von Heizen und kalter Batterie sogar 30 Prozent und mehr.
Der konkrete Verbrauch hängt von mehreren Faktoren ab:

Dazu zählen
 
  • die Außen- und Innentemperatur,
  • die Batterie-Temperatur,
  • die Einstellung der Klimaanlage,
  • das Fahrszenario,
  • das Fahrzeugmodell sowie
  • der Zustand und das Alter der Klimaanlage.
Bei sommerlichen Temperaturen liegt die üblicherweise erforderliche Klimatisierungs-Leistung zwischen 0,5 und 1 Kilowatt. Beim Herunterkühlen eines aufgeheizten Innenraums kann sie jedoch bis zu 2 Kilowatt betragen. Die größten Reichweiten erzielen Elektroautos bei Außentemperaturen zwischen 15 und 25 °C.

Tipps für heiße Tage

 
  1. Vorklimatisieren während des Ladens
    Der Innenraum sollte bereits vor Fahrtantritt gekühlt werden, solange das Auto noch an das Lade-Netz angeschlossen ist. So bezieht die Klimaanlage die Energie aus dem Netz statt aus der Batterie. Unterwegs muss sie dann nur noch die Temperatur halten. Das kostet deutlich weniger Energie. Temperatur und Startzeit lassen sich bei den meisten Modellen über das Dashboard oder per App programmieren.
 
  1. Im Schatten parken
    Tiefgaragen sind ideal, da sie den Akku schonen und den Kühlaufwand beim Weiterfahren verringern. Das gilt übrigens für alle Fahrzeuge, unabhängig vom Antrieb.
 
  1. Vorausschauend fahren
    Viele Beschleunigungs- und Bremsmanöver erhöhen den Energieverbrauch und die Betriebstemperatur. An heißen Tagen bedeutet das eine zusätzliche thermische Belastung. Abhilfe schafft hier ein defensives Fahrverhalten.
 
  1. Ladeplanung anpassen
    Bei Hitze empfiehlt es sich, häufigere Pausen einzuplanen und Schnellladungen möglichst zu vermeiden. Das Batterie-Management drosselt die Ladeleistung ohnehin, wenn die Temperatur außerhalb des optimalen Bereichs liegt – zum Schutz des Akkus.

    Viele Hersteller empfehlen, die Batterie im Alltag nur bis zu 80 Prozent zu laden. Auch öffentliche Schnelllader können bei sehr hohen Außentemperaturen ihre Leistung reduzieren.
 
  1. Regelmäßige Wartung
    Damit alle Systeme optimal funktionieren, sollten die Kühlmittel-Stände kontrolliert und das Fahrzeug gemäß den Herstellervorgaben gewartet werden.

Das E-Auto als rollender Stromspeicher

Ein interessantes Thema ist inzwischen Realität geworden: das bidirektionale Laden. Das bedeutet, dass das Elektroauto nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch wieder abgeben kann. Es kann entweder Strom an das eigene Haus geben, was als Vehicle-to-Home oder V2H bezeichnet wird, oder es kann Strom ins öffentliche Netz geben, was als Vehicle-to-Grid oder V2G bezeichnet wird.
 
Im Jahr 2025 hat der Deutsche Bundestag das Energiewirtschafts-Gesetz geändert. Diese Änderung macht es möglich, dass die Vehicle-to-Grid-Technologie in Deutschland wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann. Im März 2026 wurde die VDE-Norm veröffentlicht. Diese Norm trägt die Nummer VDE-AR-N 4105:2026-03. Mit dieser Norm gibt es nun ein technisches Regelwerk für das bidirektionale Laden. Das bedeutet, dass das bidirektionale Laden nicht mehr nur eine Theorie ist, sondern eine praktische Lösung. Allerdings ist dies bisher nur bei wenigen Elektroautos möglich.
 
llustration zeigt ein Haus mit Solarpanelen auf dem Dach, einer Wallbox an der Hauswand und einem angeschlossenen Elektroauto
Auf der IAA 2025 haben BMW und E.ON das erste bidirektionale Ladeangebot für Privatkunden in Deutschland vorgestellt. Kunden können damit bis zu 14.000 Freikilometer pro Jahr erhalten, indem sie bei Bedarf Energie ins Stromnetz einspeisen. Dieses Konzept ist besonders attraktiv für Hausbesitzer mit Photovoltaikanlage. Das Auto lädt tagsüber mit Solarstrom und gibt diesen abends ans Haus zurück.
 
Falls Sie sich für das Thema interessieren, finden Sie ausführliche Informationen im Blogartikel „Welche Elektroautos können bidirektional laden?” von Einfach E-auto. 
Seniorin bereitet E-Auto zum Laden vor
Fazit: Moderne Elektroautos lassen sich von Hitze und Wetterextremen nicht beeindrucken. Mit dem richtigen Umgang – Vorklimatisieren, Schatten suchen, vorausschauend fahren – bleibt der Verlust an Reichweite an heißen Tagen gering. Das ist doch mal eine gute Nachricht. 

Gleichzeitig entwickelt sich die Technik rasant weiter. Wärmepumpen werden zum Standard und Thermo-Management-Systeme werden intelligenter. Mit dem bidirektionalen Laden wird das E-Auto sogar ein Teil der heimischen Energie-Infrastruktur. Ja, die neue Mobilität ist längst Normalität und inzwischen ist sie auch vielseitiger.

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