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  • Ein Wecker zeigt 2 Uhr an und liegt auf buntem Herbstlauf.

    Die Zeitumstellung und was sie mit den Menschen macht

Dresden, 04.11.2021 | (ks)
 
Am vergangenen Wochenende, in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober war es wieder soweit. Die Uhren wurden wie jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober auf Winterzeit umgestellt. Die geschenkte Stunde dieser Nacht dürften die meisten Menschen verschlafen haben. Das Drehen am Uhrzeiger ist jedoch im Allgemeinen unbeliebt. Denn viele Menschen kämpfen im Anschluss mit gesundheitlichen Problemen, weil ihr Biorhythmus durcheinandergerät.

Ein paar Fakten rund um die Zeitumstellung

Warum wurde die Zeitumstellung eingeführt?

Weil es mit der Sommerzeit abends länger hell blieb, erhoffte man sich von der Zeitumstellung einen Energiespar-Effekt. Auslöser war vor allem die Ölkrise Anfang der Siebzigerjahre. Allerdings stellte das Umweltbundesamt fest: "Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst. Im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf. Die Zeitumstellung spart im Saldo daher keine Energie."
 

Die Zeitumstellung sollte doch 2021 abgeschafft werden?

Um dem zunehmenden Umstellungsfrust Rechnung zu tragen, hatte das EU-Parlament 2019 beschlossen, die Zeitumstellung 2021 abzuschaffen. Die Mehrheit (84 Prozent) der europäischen Bürgerinnen und Bürger hatte sich 2018 in einer europaweiten Online-Umfrage der Europäischen Kommission dafür ausgesprochen. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten. Bisher gibt es noch keine rechtswirksame Einigung innerhalb aller EU-Länder.
 
Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, ob nun Sommer- oder Winterzeit die allgemeingültige Standardzeit innerhalb der EU-Länder werden soll. Dabei sind die Zeitpräferenzen je nach geografischer Lage und Naturell der Bevölkerung unterschiedlich. Denn die EU erstreckt sich über mehrere Zeitzonen. Doch obwohl sich die meisten Staaten in der Mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ) befinden, ist diese schon von Spanien im Westen bis Polen im Osten geografisch so groß, dass es je nach Jahreszeit an einem Ende schon dunkel ist, während am anderen Ende noch die Sonne scheint. Das macht gerade den Staaten am Rand der Zeitzone die Entscheidung für eine der beiden Zeiten schwer.
 
Eine gemeinsame Standardzeit soll möglichst verhindern, dass es in den Ländern einen Zeit-Flickenteppich geben wird. Dann müsste man beim Überschreiten der Ländergrenzen ständig die Uhr umstellen, was vor allem im EU-Binnenverkehr unpraktikabel ist. Da es aber ohnehin bereits drei Zeitzonen gibt, wäre es auch denkbar, dass sich einige Länder dauerhaft entweder auf die Winter- oder die Sommerzeit festlegen.

Die Uhrenumstellung bleibt vorerst. Vor, zurück - wann und wie war das noch mal?

 
Wer sich für die Uhrenumstellung die Richtung der Stunde nicht merken kann, benutzt am besten eine beliebte Eselsbrücke: Im Winter räumt man die Gartenmöbel zurück ins Haus. Im Frühjahr stellt man sie wieder vor das Haus.

Was ist eigentlich die normale Zeit?

Winterzeit ist der umgangssprachliche Begriff. Sie ist die Normalzeit, nach der auch die innere biologische Uhr des Menschen getaktet ist. Die Sommerzeit wurde in Deutschland (gleichermaßen in Ost- und Westdeutschland) im April 1980 eingeführt. Seitdem wird jedes Jahr am letzten Sonntag im März die Uhr eine Stunde vorgestellt (Sommerzeit) und am letzten Oktober-Sonntag eine Stunde zurückgestellt (Winterzeit).
Die Zeitumstellung war schon von Anfang an ein Thema für allerlei Kontroversen in Deutschland, auch zwischen damals noch Ost und West. Unterhaltsam und kurios ist der Artikel "Als die DDR eine eigene Zeit plante" aus der MDR-Reihe Zeitreise.

Wäre eine dauerhafte Sommerzeit sinnvoll oder schädlich?

Deutschland und einige andere EU-Länder präferieren übrigens die Sommerzeit als neue Standardzeit. Als Pro-Argument wird hauptsächlich angeführt, dass Berufstätige in den Sommermonaten eine Stunde mehr Tageslicht für abendliche Freizeitaktivitäten nutzen können. Der Nachteil: Im Winter wird es auch eine Stunde später hell. Vor allem für die Länder am westlichen Ende Europas würde das jedoch eine eine morgendliche Dunkelheit bis kurz nach Zehn Uhr bedeuten. Für die Menschen im Norden wie in Finnlands Hautstadt Helsinki würde im Dezember die Sonne gegen 10:30 Uhr aufgehen. 
 
Mediziner und Schlafforscher warnen davor, eine ewige Sommerzeit einzuführen. Da die Sommerzeit nicht der normalen Zeit entspricht, würde eine dauerhafte Umstellung die biologische innere Uhr aus dem Konzept bringen. Es droht chronischer Schlafmangel, da man durch die längere Helligkeit abends nicht rechtzeitig müde wird. Morgens wiederum brauchen Menschen laut Schlafmedizinern das blaue Licht der Sonneneinstrahlung, um wach und munter zu werden. Wird es später hell, kann der Lichtmangel zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefiziten führen mit Leistungseinschränkungen in Schule und Beruf. Auch die Unfallgefahr erhöht sich.

Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung?

Eine Stunde Zeitverschiebung mag auf den ersten Blick nicht viel sein. Und der Körper passt sich laut Chronobiologie nach einigen Tagen dem neuen Rhythmus an. Trotzdem spüren Menschen und Tiere nicht nur ein Unbehagen. Experten weisen auf gesundheitliche Gefahren hin. Das liegt daran, dass jeder Mensch eine innere biologische Uhr besitzt, die seinen Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Der wiederum wird auch von Tageslicht und Dunkelheit gesteuert.

Die innere Uhr macht uns zu Eulen und Lerchen

 
Die Chronobiologie unterteilt Menschen in zwei Chronotypen, die genetisch bedingt sind. Der späte Chronotyp, die Eule, geht eher spät ins Bett und steht dementsprechend später auf. Der frühe Chronotyp, die Lerche, ist der Frühaufsteher, der entsprechend zeitig zu Bett geht.

Gesundheitliche Auswirkungen nachgewiesen

Fest steht und dazu gibt es mehrere Studien, dass der Schlaf-wach-Rhythmus von Menschen und Tier durch die Zeitumstellung aus dem Takt gebracht wird und das diverse gesundheitliche Auswirkungen nach sich zieht wie Herz-Kreislaufbeschwerden, entzündliche Immunerkrankungen, Depressionen sowie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsmangel. Sogar das Krebsrisiko soll zunehmen und in den ersten drei Tagen nach der Umstellung soll die Selbstmordrate steigen. Kinder und Ältere gelten als besonders anfällig für den „sozialen Jetlag“, von dem Experten sprechen.

Bei den Nutztieren spüren wohl die Milchkühe den veränderten Rhythmus. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes achten Landwirte in der Regel darauf, ihre Tiere möglichst sanft an die neue Melkzeit zu gewöhnen.
 

Höheres Unfallrisiko durch Zeitumstellung

Dass der gestörte Biorhythmus vieler Menschen vor allem in der Woche nach der Zeitumstellung zu einer erhöhten Unfallwahrscheinlichkeit führt, gilt mittlerweile als erwiesen. Laut Statistischem Bundesamtes ist es in den vergangenen Jahren fast durchgängig in der Woche nach der Zeitumstellung zu einer Häufung von folgenschweren Verkehrsunfällen mit Personenschaden gekommen.

Eine Ursache: Bei der Umstellung auf Winterzeit verlagert sich der abendliche Berufsverkehr bereits in die Dämmerung und Dunkelheit, in der die Sicht schlechter ist. Auch nach der Umstellung auf die Sommerzeit kracht es auf deutschen Straßen deutlich öfter als sonst, weil unter anderem die Gefahr für Wildunfälle steigt. Die Wildtiere orientieren an den Lichtverhältnissen. Da Berufspendler aber eine Stunde früher als zuvor unterwegs sind, kommen sie eher in die Morgendämmerung, wenn die Tiere aktiv sind.
 

Zeitumstellung und Medikamenteneinnahme

Bei vielen Medikamenten soll oft ein bestimmter zeitlicher Rhythmus eingehalten werden, um die Wirkung nicht zu unterbrechen. Doch bei einer Zeitumstellung ist es manchmal schwer sich an die genaue Uhrzeit zu halten, da man das Medikament ja eigentlich eine Stunde eher oder später einnehmen müsste. Insbesondere bei Anti-Baby-Pillen kommt es auf die Art der Pille an, wie genau zeitliche Einnahmefristen eingehalten werden müssen. Gegebenenfalls muss man ein bis zwei Tage zusätzliche Sicherheit einkalkulieren, bis der Hormonspiegel wieder dem vor der Zeitumstellung entspricht.
 

Was kann man tun, wenn man sich nicht wohlfühlt?

Sofern es sich nicht um schwerwiegende gesundheitliche Störungen handelt, die in ärztliche Hände gehören, hat man nach wenigen Tagen den Mini-Jetlag einfach überwunden.
 
  • Sinnvoll kann sein, sich für diese Zeit mehr Ruhephasen zu gönnen und Stress zu reduzieren. Für die Entspannung hilft zum Beispiel ein warmes Bad mit ätherischen Ölen.
  • Aromaöle kann man auch als schlaffördernde Düfte einsetzen. Hilfreich für einen guten Schlaf ist beispielsweise Zirbenöl.
  • Morgendliche Wechselduschen und etwas Frühsport helfen den Kreislauf anzukurbeln.
  • Möglichst viel Tageslicht tanken, da ansonsten die Lichtverhältnisse am Abend nicht ausreichen, eine Änderung des Körperrhythmus in Richtung Schlaf anzustoßen. Tageslicht führt zu einer erhöhten Serotonin- und daraus folgender Melatonin-Ausschüttung. Das Melatonin reguliert den Schlaf- und Wachrhythmus.
  • Ausreichende Bewegung begünstigt den Stoffwechsel und führt zu einer natürlichen Ermüdung.
  • Am Abend sollte man grelle Beleuchtung, Smartphone, Laptop und Co. meiden. Das kalte blaue Licht, das von elektronischen Bildschirmen ausgestrahlt wird, unterdrückt die Melatonin-Produktion. Das Schlafhormon Melatonin wird bei Dunkelheit in der Zirbeldrüse gebildet.
  • Hilfreich ist auch, auf ausgedehnte, fette beziehungsweise schwer verdauliche Mahlzeiten am Abend zu verzichten, um Körper und Kreiskauf nicht zusätzlich zu belasten. Gleiches gilt für aufputschende Getränke.
 
Wer noch mit der bisher nicht abgeschafften Zeitumstellung hadert, kann sich die Zeiteinteilung von Coco Chanel zu eigen machen. "Es gibt eine Zeit für die Arbeit. Und es gibt eine Zeit für die Liebe. Mehr Zeit hat man nicht." Beides sorgt in der richtigen Dosis bekanntlich für Wohlbefinden und einen guten Schlaf.

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