Sie sind hier: Startseite /Service /Blog der SV Sachsen
  • Mutter steht mit Tochter in der Küche und kontrolliert Hausaufgaben.

    Altersvorsorge mit wenig Geld für Frauen – so geht's

Dresden, 10. März 2022 | (ks)
 
Wenn das Geld im Alltag knapp ist, scheint das Sparen für den Ruhestand unmöglich. Doch besonders Frauen sind auf private Altersvorsorge angewiesen. Das hat Gründe. Frauen bekommen vielfach für gleiche Arbeit weniger Lohn oder Gehalt als Männer. Sie steigen häufig für Kinder und Familie zeitweilig aus dem Berufsleben aus oder arbeiten Teilzeit. Die Pflege für Angehörige ruht meist schwerpunktmäßig auf weiblichen Schultern. Zudem haben Frauen statistisch gesehen eine längere Lebenserwartung als Männer.

Dragica Mischler ist Finanz- und Lebensversicherungsvorständin bei der Sparkassen-Versicherung Sachsen und Expertin für Altersvorsorge. Wir haben sie gefragt, wie frau sich eine eigene Altersvorsorge aufbauen kann.

 

 

 

Frau Mischler, warum ist Verantwortung für die eigene Vorsorge bei Frauen so wichtig?

Die Bedürfnisse von heute erscheinen oft drängender als die, die in ferner Zukunft liegen. Vor allem Mütter stehen vor der Herausforderung, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Viele arbeiten verkürzt und nehmen Einkommenseinbußen in Kauf. Das hat Folgen für ihre Altersvorsorge. Jede Frau sollte sich bewusst machen, dass für die Höhe der gesetzlichen Rentenansprüche vor allem die Dauer der Erwerbstätigkeit und die Höhe des Erwerbseinkommens ausschlaggebend sind.
 
Um eine eigenständige Absicherung im Alter zu erreichen, ist also nicht nur im Hier und Jetzt die Aufteilung zwischen Familienarbeit und Erwerbsarbeit mit dem Partner auszuhandeln. Genauso wichtig ist es, die Auswirkungen für die Alterssicherung zu betrachten, die sich daraus ergeben.
vorstaendin-sv-sachsen-dragica-mischler
Dragica Mischler

Was wären denn erste Schritte eine Vorsorge für den Ruhestand aufzubauen?

Wenn frau Geld zurücklegen möchte, sollte sie wissen, welche Summe sie monatlich aufbringen kann. Um hierüber einen Überblick zu gewinnen und Sparpotenziale zu finden, können entsprechende Apps oder auch ein klassisches Haushaltsbuch helfen.
 
Empfehlenswert ist, ca. zehn Prozent des Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge zur Seite zu legen. Aber auch kleine Summen sind besser als nichts. In der Altersvorsorge sollten Paare das gesamte Haushaltseinkommen als Sparpotenzial für beide Partner nutzen. Das ermöglicht den Frauen, sich auch mit nicht bezahlter Familienarbeit und geringerer Erwerbstätigkeit eine ebenso hohe private Rentenabsicherung aufzubauen wie ihr Partner.
 

Wen können Frauen für ihre Altersvorsorge mit ins Boot holen?

Der Staat und viele Arbeitgeber fördern die Vorsorge. Diese finanzielle Unterstützung sollten Frauen mitnehmen. Von der Riester-Rente profitieren alle Einkommensgruppen. Am stärksten wirkt die Förderung bei Frauen mit kleinen Einkommen und bei Müttern. Durch die staatlichen Zulagen wächst das Riester-Vermögen zusätzlich zu den Erträgen. Selbst, wer wenig oder gar nichts verdient, kann schon ab einem Beitrag von 60 Euro pro Jahr die volle staatliche Förderung erhalten. Verheiratete Frauen ohne versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis können über ihren Ehepartner sogar „mitriestern“. Bedeutet, sie können die volle Zulage einstreichen. Auch dazu müssen sie nur einen Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr aufbringen.
 
Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben übrigens einen Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge mit Entgeltumwandlung. Dabei werden Teile des Gehaltes in ein Produkt der betrieblichen Altersvorsorge eingezahlt. Seit 2019 sind die Arbeitgeber verpflichtet*, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Sie steuern 15 Prozent des umgewandelten Betrages bei.** Auch vermögenswirksame Leistungen können sehr gut dafür genutzt werden, um für das Alter vorzusorgen.
 
* Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge bei der Entgeltumwandlung spart.
**In Tarifverträgen kann von dem Arbeitgeberzuschuss abgewichen werden.
 

Was sollten Frauen bei der Sparform beachten?

Das Vorsorgeprodukt  sollte flexibel sein. Einkommen und Lebenssituation ändern sich im Laufe der Jahre mehrmals. Sparverträge sollten sich dann so modifizieren lassen, dass sie zur neuen Situation passen. Bei einem Riester-Vertrag können Sie beispielsweise im Notfall die Raten auf das Minimum von 60 Euro im Jahr herunterfahren. Außerdem ist das angesparte Vermögen „Hartz-IV-sicher“.
 

Wie kann man sich auch bei knapper Kasse zur Spardisziplin zwingen?

Nicht abwarten, ob am Monatsende genug Geld für die Altersvorsorge übrig bleibt. Das ist keine erfolgversprechende Strategie. Lieber einen Sparvertrag mit monatlicher Zahlung abschließen. Oder einen Dauerauftrag einrichten, über den direkt nach Gehaltseingang eine fixe Summe in eine Rentenversicherung fließt. So kommt frau gar nicht erst in Versuchung, das Geld anderweitig auszugeben. Mit einer Rentenversicherung besteht dazu die Sicherheit, ab Rentenbeginn lebenslang ein regelmäßiges Einkommen zur Verfügung zu haben.
 

Lohnt es sich zu riestern?

Ob sich eine Riester-Rente lohnt? Ja, Riestern lohnt sich nach wie vor! Auch und ganz besonders für Geringverdienende, Minijobberinnen und Hausfrauen. Und zwar deshalb, weil der Staat Geld zuschießt. Die Grundzulage beträgt 175 Euro pro Jahr. Voraussetzung ist, dass jährlich vier Prozent des Bruttoeinkommens in einen riesterfähigen Sparvertrag eingezahlt werden. Hinzu kommen 185 Euro pro Jahr für jedes bis Ende 2007 geborene Kind. Und 300 Euro pro Jahr für jedes ab 2008 geborene Kind. Zusätzlich ist eine Steuerersparnis – vor allem für gutverdienende Riester-Sparer – möglich, da die Beiträge als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden können.
 
Eine Riester-Rente kann so im Alter ein attraktives Zusatzeinkommen zur gesetzlichen Rente abwerfen. Sie sollte nach Möglichkeit mit weiteren Bausteinen, zum Beispiel einer betrieblichen Altersvorsorge, kombiniert werden. Denn die Riester-Rente allein kann die Versorgungslücke, die im Rentenalter zum aktuellen Einkommen entsteht, nicht komplett schließen.

Drei zusätzliche Tipps:

1. Beantragen Sie in der Altersvorsorge über Ihren Riester- Anbieter die Dauerzulage. Das erspart Ihnen, jedes Jahr aufs Neue einen Förderantrag ausfüllen zu müssen.
 
2. Über das Riester-Zulagen-Portal lässt sich alles rund um die Riester-Rente bequem und sicher online erledigen. Die Daten zu Ihrer Riester-Zulage können Sie von überall aus einsehen, prüfen und ändern. So sind Sie immer aktuell informiert.
 
3. Altersarmut nein! Denn #FrauMachtsSchlauer. Sie müssen aber nicht allein Ihre Altersvorsorge-Strategie aufstellen. Lassen Sie sich von Experten über alle Möglichkeiten beraten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

 
Nutzername
Noch keine Kommentare vorhanden.

Für jeden Bedarf die passende Altersvorsorge

Eins ist sicher – die gesetzliche Rente alleine reicht nicht einmal mehr aus, um eine solide Grundversorgung zu garantieren.

mehr...

Betreuer in Ihrer Nähe finden

Betreuer in Ihrer Nähe finden

Service Telefon