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  • Kleines Haus mit Schwimmring treibt auf dem Wasser.

    Baulicher Schutz und Vorsorge bei Starkregen

Dresden, 12.08.2021 | (ks)
 
Starkregen und Sturzfluten sind Wetterphänomene, die in Zukunft verstärkt auftreten werden. Ein Schadenfall daraus kann jeden treffen. Dazu ist keine Gewässernähe nötig. Auch in vermeintlich sicherer Entfernung zu Flüssen und Bächen besteht eine Hochwassergefahr. Diese resultiert aus dem über die Geländeoberfläche abfließendem Wasser. Dabei spielt die Topografie, also die natürliche oder von Menschen veränderte Geländeform, eine maßgebende Rolle, da sie die Fließwege vorgibt. Wessen Haus also in so einem Fließweg steht – egal ob Hanglage mit starker Neigung, Gelände mit gemäßigtem Gefälle oder eine Senke/Mulde – muss damit rechnen, Wasser ins Haus zu bekommen.
 

Risiken erkennen

Ausführliche Standort- und Objektanalysen, das Wissen um potenzielle Gefahrenquellen und ein adäquater Versicherungsschutz ermöglichen eine realistische Risikoeinschätzung. Bei Neubauten sollten schon in der Planung entsprechende Schwachstellen für Haus und Grundstück mit baulichen Maßnahmen abgesichert werden. Bei Grundstücken in Mulden oder Hanglage ist immer besondere Vorsicht geboten.
 
Aber auch für Bestandsbauten sind etliche bauliche Maßnahmen zur Absicherung noch im Nachhinein möglich. Die konkrete Gefährdungslage und was genau verändert werden muss, sollte immer ein Fachexperte*in einschätzen, da die Umsetzung erhebliche Kosten verursachen kann. Der finanzielle Aufwand ist ins Verhältnis zum gegebenen Risiko und möglichen Schadenshöhen zu setzen. Zu beachten sind bei einigen Maßnahmen auch kommunale Bau- und Wasservorschriften.
 

Bei Starkregen bestehen Gefahren durch

Dachentwässerung
  • Defekte oder verstopfte Regenrinnen und Fallrohre laufen über, sodass das Wasser von den Dachflächen nicht mehr geordnet abgeleitet wird. Es kann so ins Haus eindringen.
Kanalrückstau
  • Jedes öffentliche Kanalnetz hat eine begrenzte Aufnahmekapazität an Wasser. Bei Starkregen kann es vorkommen, dass Kanäle überlaufen und das Wasser sich über die gesamte Straße bis hin zu Ihrem Grundstück ergießt. Ist der öffentliche Kanal überlastet, kann Wasser über die Hausinstallationen hineinlaufen, ins Gebäude rückstauen und dort auslaufen (über Waschbecken, Toiletten, Kellerabläufe). Aus dem Kanal zurückgestautes Wasser kann zu erheblichen Hygieneproblemen führen.
Grundwasser
  • Auch aus dem Untergrund kann Hochwasser über Kellerwände ins Haus eindringen. Dies geschieht zwar langsamer, kann aber zu dauerhafteren Schäden führen, da die Feuchtigkeit länger einwirkt. Das Wasser braucht einfach länger, um wieder zu sinken.
Hochwasser und Sturzfluten
  • Nach starken Regenfällen können die Wassermengen in kleinen Gewässern um ein Vielfaches ansteigen. Der Zeitraum zwischen der Entstehung und dem Eintreffen eines Hochwassers, die sogenannte Vorwarnzeit, ist in der Regel sehr kurz. Sturzfluten sind besonders plötzlich und unerwartet auftretende Hochwasserereignisse mit extremer Wucht der Abflusswellen.  Sie verursachen enorme Schäden und stellen eine große Gefahr für Leib und Leben dar. Bei großen Flüssen haben lang andauernde Niederschläge einen starken Einfluss auf das Hochwassergeschehen. Hier steigen die Wasserstände meist langsamer an und die Vorwarnzeiten sind dementsprechend länger. 
Oberflächenwasser
  • Oberflächenwasser kann durch Tür- und Fensteröffnungen (vor allem Keller/Erdgeschoss), Lichtschächte, tieferliegende Eingänge und Garagen, undichte Fugen und Gebäudeöffnungen (Hausanschlüsse, Rohrwege) ins Haus eindringen.
Eine erste Risikoeinschätzung für das eigene Haus und Grundstück lässt sich anhand folgender Checkliste vornehmen:
 
Quelle: BBSR
 
Apropos "Sind Ihnen Überflutungen aus der Vergangenheit bekannt?". Über bisherige Unwetterschäden- und Risiken können Sie sich ganz einfach mit dem Naturgefahren-Check informieren. Bei Hauskäufen empfiehlt sich immer auch ein informatives Gespräch mit der Nachbarschaft.
Zu den Möglichkeiten, sich vor Schäden durch Starkregen zu schützen, zählen unter anderem die Flächenvorsorge, die Bauvorsorge, Objektschutzmaßnahmen und die Verhaltensvorsorge. Oft sind Kombinationen aus unterschiedlichen Maßnahmen notwendig, um einen möglichst hohen Schutz zu erreichen. (Quelle: Leitfaden Starkregen - Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Müssen sich Gebäudeeigentümer selbst schützen?

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) §5: Allgemeine Sorgfaltspflichten, Abs. 2 regelt die Eigenverantwortung wie folgt: „Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.“
 

Präventionsmaßnahmen für den Objektschutz

Den größten Schaden richtet Starkregen an, wenn das Wasser in das Gebäude eindringt. Neben den Feuchtigkeitsschäden einschließlich Schlamm und Geröll gehören dazu auch Kontaminierungen mit gefährlichen und unhygienischen Stoffen.
 
Die Bürgerbroschüre "Leitfaden Starkregen - Objektschutz und bauliche Vorsorge" des BBSR beschreibt Maßnahmen für Neu- und Bestandsbauten, um Bausubstanz und Grundstück zu schützen. Dazu gehören:
 
  • Um oberflächlich abfließendes Niederschlagswasser abzulenken und es von Bebauung fernzuhalten, eignen sich Bodenschwellen. Sie sind besonders effektiv und können in Hanglagen verhindern, dass Wasser von der Straße auf das Grundstück beziehungsweise vom Hang ins Gebäude fließt.
  • Einsatz mobiler Systeme, die das Wasser fernhalten oder ablenken (Dammbalkensysteme) – am besten Systeme, die sich im Überflutungsfall selbst aufbauen (zum Beispiel Klappschott)
  • Anpassen von bodengleichen ebenen Eingängen - hier helfen bereits kleine Stufen oder Schwellen
  • Kellertreppen und Lichtschächte können bereits durch kleine Aufkantungen geschützt werden und sollten zusätzlich über Abläufe verfügen, die an die Drainage oder das Entwässerungssystem angeschlossen sind. Zusätzlich zu Aufkantungen vor tieferliegenden Eingängen helfen Überdachungen, das vor Ort anfallende Niederschlagswasser fernzuhalten
  • Lässt sich stehendes Wasser vor Eingängen oder Fenstern durch die aufgeführten Konstruktionen nicht vermeiden, gibt es verschiedene wasser- und druckdichte Einbauten als Alternative
  • Liegen Hausanschüsse im Gebäude unterhalb der Rückstauebene des öffentlichen Entwässerungssystems, sind Rückstausicherungen erforderlich. Sie verhindern, dass das Wasser ins Haus gedrückt wird. Für die Wahl einer geeigneten Rückstausicherung (Rückstauverschluss oder Hebeanlage), ist entscheidend, welche Art Abwasser vorliegt. Alle Anlagen einer Rückstausicherung sollten regelmäßig (in der Regel zwei Mal jährlich) vom Fachbetrieb gewartet werden.
Wichtig: Sind keine Rückstausicherungen vorhanden, zahlt bei einem Schaden weder die Versicherung, noch haftet die Gemeinde.
  • Abdichtungen (horizontal und vertikal) gegen Bodenfeuchte und Sickerwasser, bei Neu- und Bestandsbauten kommen hier unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz
  • Verlegen einer Drainage, die das Wasser aus den über ihr liegenden Bodenschichten ableitet und dementsprechend hilft, den Boden zu entwässern. Damit ihre Wirkung nicht nachlässt, müssen Drainagen regelmäßig gewartet und gespült werden.
  • Bei schwach- und undurchlässigen Böden und anstehendem Grundwasser sind Abdichtungen gegen drückendes Wasser unverzichtbar (zum Beispiel schwarze oder weiße Wanne)
  • Um Versickerung und Verdunstung zu steigern, Grundstück soweit möglich entsiegeln und bepflanzen beziehungsweise wasserdurchlässige Materialien verlegen.
  • Rückhaltemaßnahmen helfen, das Wasser von Gebäuden fernzuhalten. Das Wasser von versiegelten Flächen und Dachflächen wird dabei in Speicher geleitet. So wird verhindert, dass es wild über das Grundstück fließt und die Bebauung wird geschützt. Als Speicher eignen sich Retentionsmulden auf Grünflächen ebenso wie unterirdische Tanks oder Zisternen.
  • Dachbegrünung als Sonderform der Regenrückhaltung (Grün-, Blau- und Retentionsdach). Je nach Ausführung kann ein begrüntes Dach das Wasser sogar komplett zurückhalten beziehungsweise dafür sorgen, dass es verzögert und in deutlich geringeren Mengen abgegeben wird.
  • Heizöltanks verankern oder zumindest mit Ballast beschweren, damit sie nicht umkippen können und das Öl das Mauerwerk kontaminiert.
Bevor nachgerüstet wird, ist es wichtig, das Überschwemmungsrisiko des Hauses richtig einzuschätzen. Dabei hilft der Hochwasserpass. Er enthält die wichtigsten Daten des Hauses auf einen Blick: Standort, baulicher Zustand, bereits vorhandene bauliche Vorsorge und die Schadenhistorie. Dazu das Gefährdungsrisiko auf einer Farbskala: Rot steht für große Gefährdung, Grün signalisiert: Das Haus ist gut geschützt. Der Hochwasserpass wird von einem Experten im Auftrag des Hausbesitzers ausgestellt.

Wo finden Sie noch Sachkundige?

  • bei Ihrer Versicherung
  • Ingenieur- und Architektenkammern
  • das HKC (HochwasserKompetentCentrum) bildet selbst Sachkundige aus und bietet auch eine Liste mit Sachkundigen in Ihrer Nähe an
  • einige Städte bieten Beratungen ihrer BürgerInnen an und verfügen selbst über geschultes Personal
 
Insbesondere dann, wenn man weiß, dass Gebäude oder Gebäudeteile überflutungsgefährdet sind, empfiehlt das BBSR auch folgende Punkte zu beachten:
 
Quelle: BBSR
Fazit: Man kann sich zwar nicht vor Naturgefahren schützen, aber doch einiges dafür tun, dass Hab und Gut nicht beschädigt werden. Tritt doch ein Schaden am Gebäude oder am Hausrat ein, bezahlt diesen die Versicherung. Allerdings nur, wenn in der Wohngebäude- beziehungsweise Hausratversicherung die erweiterten Naturgefahren eingeschlossen sind. Unter diese fällt auch Starkregen. Und weil gut informiert fast geschützt ist, finden Sie hier weitere Informationen zum Naturgefahrenschutz.
Verwendete Quellen, wo Sie weitere detaillierte Informationen finden:

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