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    Coronale Betrugsmaschen im Überblick
    Teil 2: Geschäfte mit der Angst

Dresden, 05.05.2020 | (ks)
 
Die Corona-Pandemie hindert Kriminelle nicht daran, weiterhin aktiv zu sein. Auch Teil 2 unserer coronalen Betrugsmaschen zeigt, mit welchem Einfallsreichtum Betrüger unterwegs sind und altbekannte Tricks flugs an die Corona-Umstände anpassen. Zu denen gehören Ängste, Sorgen und Einsamkeit aber auch eine höhere Hilfsbereitschaft.
 
Verbraucherorganisationen, Stiftung Warentest, Bundesministerien und Behörden warnen und informieren deshalb im Netz über diverse und zum Teil sehr gefährliche kriminelle Machenschaften. Nachfolgend dazu ein weiterer Überblick. Teil 1 zum Thema Cyberkriminalität finden Sie hier. Die Polizei empfiehlt übrigens prinzipiell verdächtige Vorfälle zu melden.
 

Modifizierter Enkeltrick

Für den Enkeltrick, mit dem Senioren abzockt werden sollen, agieren Betrüger meist in organisierten Banden. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg weist darauf hin, dass diese ihre alte Maschen jetzt perfide auf Corona modifiziert haben. Sie rufen an und geben sich als Familienmitglied aus, das mit dem Virus infiziert ist und Geld für eine Behandlung oder andere finanzielle Notlagen braucht. Sie bitten die ältere Person um Geld oder Wert­gegen­stände, die ein Freund für sie abholen werde oder den die Person an einem vereinbarten Ort deponieren soll.
 

Dazu rät die Polizei:

  • Seien Sie bei Geldforderungen von vorgeblich erkrankten Angehörigen besonders misstrauisch. Rufen Sie das Familienmitglied unter der Ihnen bekannten Rufnummer zurück, um sich über den Sachverhalt zu informieren.
  • Nennen Sie keine Namen von Angehörigen und machen Sie keine Angaben zu familiären oder finanziellen Verhältnissen.
 

Falsche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes

Betrüger klingeln mit Atemmaske und Schutzanzug an der Wohnungstür, geben sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus und wollen die Wohnung inspizieren. Auch Tarnungen als städtische Mitarbeiter, die Info-Flyer an der Haustür verteilen, werden benutzt. Ziel ist, in die Wohnung zu gelangen. Einmal drin, haben sie es auf Geld und Wertsachen abgesehen. In einer weiteren Variante sind vermeintliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an Haustüren unterwegs, um kostenpflichtige Corona-Tests durchzuführen. Das Geld, bis zu mehrere Tausend Euro, kassieren sie gleich ab.
 

Dazu rät die Polizei:

  • Lassen Sie sich nicht einfach darauf ein, kosten­pflichtige Tests auf SARS-CoV-2 an der Haustür durchzuführen. Auch nicht nach vorheriger telefo­nischer Aufforderung. Geben Sie vermeintlichen Testern kein Geld. Fragen Sie bei Ihrem Haus­arzt oder dem Gesund­heits­amt nach, ob ein Test für Sie ange­ordnet wurde.
  • Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung und wehren Sie sich energisch gegen zudringliche Besucher. Lassen Sie sich von Drohungen nicht einschüchtern, sprechen Sie aufdringliche Unbekannte laut an oder oder rufen Sie um Hilfe.
  • Rufen Sie bei einer akuten Bedrohung die Polizei unter 110 an.
Unser Extra-Tipp:
Bei Trickdiebstählen aus der Wohnung können Schäden über die Hausratversicherung geltend gemacht werden. Ob die Police solche Fälle einschließt, hängt im Einzelfall von der Vertragsgestaltung und vom gewählten Tarif ab. In der Regel gibt es hier vertraglich festgelegte Entschädigungsgrenzen.

Betrügerische Hilfsangebote

Ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen haben vielleicht im Moment Schwierigkeiten, ihre alltäglichen Besorgungen zu erledigen. Jeder Gang in die Öffentlichkeit, wo sie auf andere Menschen treffen, bedeutet das Risiko einer Ansteckung. In den letzten Monaten gab es eine große Welle der Hilfsbereitschaft, Risikogruppen zu unterstützen. Aber nicht alle, die in der Not Hilfe anbieten, sind auch vertrauenswürdig.
 

Dazu rät die Polizei:

  • Bewahren Sie sich ein gesundes Misstrauen und lassen Sie keine Unbekannten in Haus oder Wohnung.
  • Nehmen Sie nach Möglichkeit nur Hilfsangebote von Menschen an, die Sie kennen und denen Sie vertrauen. Das gilt auch für Hilfe aus der Nachbarschaft. Und übergeben Sie auch Bargeld für Besorgungen nur an Menschen, denen Sie vertrauen.
  • Alternativ gibt es auch organisierte Hilfen über Institutionen (DRK, Kommunen, Vereine)
  • Vereinbaren Sie im Vorfeld, ob Sie den Einkauf im Voraus oder bei Übergabe zahlen. Händigen Sie niemals EC- oder Kreditkarten aus.
  • Vereinbaren Sie (auch aus Gründen des Infektionsschutzes) eine kontaktlose Übergabe (vor die Haustür stellen, durch ein geöffnetes Fenster).
 

Gefälschte oder minderwertige Produkte und Medikamente

Mit den Ängsten rund um die Corona-Pandemie lassen sich gute Geschäfte machen. Laut der europäischen Polizeibehörde Europol ist der Verkauf von gefälschten Schutzartikeln wie Atemschutzmasken oder Desinfektionsmitteln seit Ausbruch der Krise um ein Vielfaches gestiegen. Gefährlich wird es, weil die gefälschten Produkte nicht über die erforderlichen Produkteigenschaften verfügen. Auch antivirale Medikamente werde gefälscht. Die Präparate können beispielsweise den falschen Wirkstoff in der falschen Menge enthalten oder tatsächlich schädliche Substanzen. 
 
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) warnt vor Anbietern, die behaupten, dass ihre Produkte die durch das Corona-Virus ausgelöste Krankheit COVID-19 behandeln oder verhindern könnten. Manche erwecken auch den Anschein, zugelassene Arzneimittel beschaffen zu können, die sonst schwer erhältlich sind. „Solche Produkte sind wahrscheinlich gefälschte Medikamente“, so die EMA auf ihrer Homepage. „Kaufen Sie keine Medikamente, die als Heilmittel oder Präventivbehandlungen für COVID-19 beworben werden.“ Denn derzeit gibt es noch keine für COVID-19 zugelassenen Behandlungen. Patienten sollten Arzneimittel nur in einer örtlichen Apotheke oder bei autorisierten Online-Apotheken kaufen.
 

Angebliche kleine Wunder, um das Immunsystem zu pushen

Andere Händler wollen aus Vitaminpillen und Mineralstoffen Profit schlagen. Das Bundes­ernährungs­ministerium warnt: Es gebe kein Nahrungs­ergän­zungs­mittel, das eine Infektion mit dem Virus verhindern kann. Eine gesund­heits­bezogene Werbung wie „schützt vor Viren“ sei verboten. Die Verbraucherzentrale Brandenburg berichtete beispielsweise über den dreisten Fall eines Anbieters, der Werbung für homöopathische Globuli verbreitete. Die Kügelchen sollten angeblich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, indem das Immunsystem Antikörper gegen das Virus bilden würde.
 
Hier hilft nur Aufklärung, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eindeutig feststellt: „Da dieser Virus erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es keinerlei Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen dagegen beweisen. Zitierte Studien beziehen sich in der Regel auf andere (Corona-)Viren.“
 

Sinnlose Produkte und irreführende Werbung

Der Marktcheck des SWR-Fernsehens weist auf eine irreführende Werbung hin. Ein dubioser Händler warb mit einem Luftfilter, der Coronaviren aus der Luft filtern und abtöten soll. Ein Werbe-Flugblatt behauptete, die Viren hielten sich über Stunden in der Luft und mit diesem Filter liese sich das Ansteckungsrisiko für Risikogruppen verringern. Dem Hersteller des Filters war die Werbung unbekannt. Dieser betonte, auf Coronaviren sei das Gerät noch nicht getestet worden. Der Händler hat die Werbung mit Corona nach einer Konfrontation von Marktcheck mittlerweile gestoppt. Die Geschichte wird sicher ein Nachspiel haben.
 
Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt vor falschen Werbeversprechen: Teure Ingwerkonzentrate sollen die Vermehrung der Viren sofort hemmen, Sprays für die Luft die Gefährlichkeit des Coronavirus reduzieren. Solche absurden Behauptungen kursieren derzeit in Online-Angeboten und auch vereinzelt in Geschäften.
 

Betrug mit vorgetäuschter Liebe

Online-Partnerbörsen und Soziale Netzwerke sind das Jagdrevier dieser Täter und ihre Straftaten werden als "Romance Scamming" bezeichnet. Die Polizei warnt davor, dass die Opfer so umgarnt und beflirtet werden, bis sie sich in ihren virtuellen Gesprächspartner verlieben. Dann tritt dieser mit dem Thema Geld auf den Plan und immer geht es dabei um Notlagen, Krankheiten und sonstige Misslichkeiten des Lebens. Auch diese Masche ist nicht neu, wird aber jetzt um angebliche Corona bedingte Notlagen erweitert. Die Kontaktbeschränkungen und Einsamkeit vieler Menschen (bei Romance Scamming sind überwiegend Frauen die Opfer) spielen den Tätern dabei in die Hände. Weitere Informationen zu dieser Methode finden Sie auf der Seite der Polizeilichen Kriminalprävention des Bundes und der Länder.
 

Dazu rät die Polizei:

  • Brechen Sie Internetbekanntschaften sofort ab, wenn nach Geld gefragt wird und Sie Ihren Gesprächspartner nur per Chat, E-Mail oder Telefon kennen.
  • Auf keinen Fall sollte Geld überwiesen, Schecks eingelöst sowie Briefe und Päckchen weitergeleitet oder aufbewahrt werden.
  • Wurden bereits Zahlungen geleistet, sollten Sie wenigstens den Versuch starten, diese rückgängig zu machen.
  • Bei Verdacht auf einen "Liebesbetrüger" E-Mails oder Chat-Texte möglichst sichern und Strafanzeige erstatten.
 

Sicher spenden

An vielen Initiativen kann man sehen, wieviel Hilfsbereitschaft die Corona-Krise bei vielen Menschen auslöst. Die einen helfen älteren Nach­barn beim Einkauf, andere nähen unentgeltlich Masken oder unterstützen Organisationen und Einrichtungen mit Spenden.
 
Doch auch beim Spenden ist Vorsicht geboten. In E-Mails im Namen der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) werden Internetnutzer aufgefordert, eine beliebige Summe an eine Bitcoin-Adresse zu spenden. In der E-Mail wird das offizielle Logo der WHO genutzt, um Echt­heit zu suggerieren. Auch der Betreff der E-Mail soll Seriosität vermitteln: „COVID-19 Solidarity Response Fund for WHO – DONATE NOW“. Tatsäch­lich stammt der Spenden­aufruf nicht von der WHO.
 
Das Deutsche Zentral­institut für soziale Fragen (DZI) hat Tipps für das Spenden in der Corona-Krise gesammelt. In der Spenden-Info „Hilfe für Corona-Betroffene“ empfiehlt die Berliner Prüf­instanz 25 Hilfs­werke, die in Deutsch­land und in vielen Regionen welt­weit Corona-Betroffene unterstützen und das DZI Spenden-Siegel als Zeichen besonderer Vertrauens­würdig­keit besitzen. Die Liste wird laufend aktualisiert.
 
Die gute Nachricht ist, viele Menschen rücken in herausfordernden Zeiten unter der Maxime #GemeinsamAllemGewachsen enger zusammen. Viele kümmern sich emotional und praktisch um ihre Mitmenschen. Kriminelle sind zum Glück in der Minderheit. 

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