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    Richtiges Verhalten bei Gewitter im Freien

Dresden, 05.09.2019 | (ks)
 
Wird man in freier Natur von einem Gewitter überrascht, besteht Gefahr für Leib und Leben, falls man nicht schnell genug einen sicheren Unterschlupf findet. Dazu gehören direkte Blitzeinschläge, Blitzüberschläge und Schrittspannungen sowie starker Wind, der Äste durch die Luft wirbelt oder Bäume umknickt.
 
Wir haben Tipps von Experten zusammengestellt, was Sie tun können, falls Sie ein Gewitter im Freien überstehen müssen. Diese bieten keinen 100-prozentigen Schutz, minimieren aber die Gefahren.
 

  • Prävention
  • Wer eine Tour plant, sollte sich vorab über die Gewitterwahrscheinlichkeit informieren, auch wenn sich Gewitter und deren Begleiterscheinungen nicht bis ins Detail vorhersagen lassen. Dank moderner Technik kann man auch unterwegs per Wetter-Apps mit Radarfilm die Wetterentwicklungen im Auge behalten. Die Versicherer der Sparkassen bieten beispielsweise die MehrWetterApp an. In die App kann man geplante Unternehmungen tagesaktuell eingeben und bekommt Unwetterwarnungen direkt aufs Handy. Ist ein Gewitter im Anmarsch, rechtzeitig die Outdoor-Aktivitäten abbrechen und eine sichere Unterkunft suchen.
     

    • Schutz suchen und Gefahr mindern
    • Die Blitzexperten des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik (VDE) informieren: Im Freien findet man Schutz vor direktem Blitzschlag direkt an Gebäuden/Objekten mit Blitzschutzsystem oder "mit Metall". Auch in der Nähe von Metallmasten ist man sicher. Dabei darf man höchstens so weit weg stehen, wie das Gebäude/der Mast hoch ist, abzüglich der eigenen Körpergröße. Ein Beispiel: Ein acht Meter hoher Metallmast bietet einen Schutzraum im Umkreis von sechs Metern.
Auch wenn dieser Bereich vor direktem Blitzschlag schützt, muss man trotzdem aufpassen: Mindestens einen Meter Abstand, besser drei, muss man zu Wänden, Stützen und insbesondere Teilen des Blitzschutzsystems einhalten, die Füße geschlossen halten und keine benachbarten Personen anfassen. Denn der Blitzstrom verschwindet nicht einfach im Erdboden, sondern breitet sich in der Erde z. B. von einer Erdungsanlage in alle Richtungen aus. Wer in diesem Moment auf der Erde sitzt oder liegt, einen großen Schritt macht oder Personen in der Nähe anfasst, kann von einem Teil des Blitzstroms durchflossen werden. Dieser Effekt wird Schrittspannung genannt.
Grafik: VDE e.V.
Gebäude "ohne Metall", zum Beispiel Unterstände aus Holz, bieten keinen Schutz. Der Blitz springt unter Umständen auf Personen über und kann dabei auch mehrere Meter überbrücken. Wer es bis zum Auto schafft, ist im geschlossenen Fahrzeug mit Ganzmetallkarosserie vor Blitzeinschlag sicher, da hier der sogenannte Faradaysche Käfig schützt. Gefährlich können trotzdem umfallende Bäume werden.
 

  • Einschlaggefährdete Objekte meiden
  • Ein Blitz schlägt meist (nicht immer) in den höchsten Punkt ein. Von alleinstehenden Bäumen, Baumgruppen, Holzmasten von Freileitungen, Antennen, Hochsitzen, Aussichtstürmen, Pfeilern oder Anhöhen sollte man sich mindestens zehn Meter fernhalten. Ein Blitzeinschlag in Objekte aus Holz wie Bäume oder Holzmasten birgt außerdem die Gefahr, von umherfliegenden Holzsplittern verletzt zu werden. 
Grafik: VDE e.V.

  • Die Blitzschutz-Hocke
  • Auf freier Fläche rät der VDE Folgendes: Man sollte sich einzeln in eine Bodenmulde kauern. Am besten in die Hocke gehen, Füße geschlossen halten und die Arme um die Knie legen, Kopf auf die Knie ziehen. Damit wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, direkt vom Blitz getroffen zu werden. Durch die eng nebeneinanderstehenden Füße wird zudem der Einfluss der Schrittspannung reduziert.
     
    Falsch: Flach auf den Boden legen. Dabei kann der Strom, der durch einen Blitzeinschlag in der Nähe entsteht, in voller Länge, also vom Kopf bis zu den Füßen, durch den Körper fließen.
Grafik: VDE e.V.

  • Nicht in der Gruppe Schutz suchen
  • Nicht in der Gruppe Schutz suchen. Zu anderen Menschen - auch den eigenen Kindern - einen Abstand von mindestens einem Meter, besser sogar drei Metern einhalten. Das gilt auch für den Hund. Dazu der VDE: Die Empfehlung "nicht in der Gruppe" bezieht sich darauf, dass eine Schrittspannung nicht nur zwischen den Beinen einer Person, sondern auch zwischen sich berührenden Personen (und dann mit wahrscheinlich stärkerer Wirkung) wahrgenommen wird.
     

    • Metallische Gegenstände
    • Alle Gegenstände aus Metall sind eine tödliche Gefahr. Regenschirme, Fahrräder, Gewehre von Jägern oder eine Golfausrüstung sollten so weit wie möglich entfernt abgelegt bzw. abgestellt werden. Metallische Gegenstände wie Gitterzäune, Geländer oder Masten nicht anfassen.
       

      • Metall am Körper
      • Immer wieder taucht die Frage auf, ob Personen mit Piercings, Metallschmuck, Armbanduhr oder Herzschrittmachern im Freien bei Gewitter besonders gefährdet sind. Nein, sind sie nicht. Dazu der VDE: Diese kleinen Metallteile führen nicht dazu, dass der Blitz bevorzugt einschlägt. Kommt es zu einem Blitzeinschlag, können diese Metallteile zwar zu Verbrennungen führen, da sie sich erwärmen. Allerdings ist dieser Effekt gegenüber den katastrophalen Wirkungen des Blitzstroms durch den Körper nahezu zu vernachlässigen.
         

        • Runter von Zweirädern
        • Rad- und Motorradfahrer müssen bei einem Gewitter auf jeden Fall die Fahrt unterbrechen und sich vom Fahrzeug entfernen. Neben der Tatsache, dass sie aus Metall sind, erläutert der VDE: Ein Motorrad- oder Fahrradfahrer sitzt erhöht auf seinem Fahrzeug (genauso auch Reiter auf Pferden); ein direkter Blitzeinschlag in die Person ist leicht möglich.
           

          • Verletzten Hilfe leisten
          • Vielfach kursiert der Irrtum, ein vom Blitz getroffener Mensch steht noch unter Strom. Man kann einen Verletzten jedoch problemlos anfassen und Erste Hilfe leisten, denn der menschliche Körper kann Elektrizität nicht speichern.
             

            • Nach einem Gewitter
            • Das Gewitter ist vorüber, wenn man 30 Minuten lang keinen Donner mehr gehört hat. So lange sollte man im geschützten Bereich warten, um sicher zu gehen, dass es nicht doch noch zu einem letzten Blitz kommt.
               
               

              Hier noch einige Tipps für spezielle Orte:

Wald
  • Falsch: "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen" ist ein gefährlicher Mythos. Die Baumart ist dem Blitz völlig egal. Einzelne Bäume, Baumgruppen oder der Waldrand sind ein potenzielles Blitz-Ziel. Hier hilft nur, möglichst einen großen Abstand halten. Denn bei einem Blitzeinschlag in einen Baum kann sich die elektromagnetische Welle auch ringsherum im Boden ausbreiten. Wer in der Nähe des Baumes steht, kann immer noch so viel Strom abbekommen, dass das Herz-Kreislauf-System lebensbedrohlich geschädigt werden kann.
     
    Im Inneren des Waldes, wenn die Bäume gleichmäßig hoch sind, verringert sich zwar die Blitzeinschlagsgefahr. Unberechenbar wird dann unwetterbedingter Windbruch. Das bedeutet, durch abbrechende Äste und umfallende Bäume verletzt oder erschlagen zu werden. Die Gefahr lässt sich etwas mindern, wenn man ein Waldstück mit jungen Bäumen findet, die weniger morsche Äste haben. Ist keine Wetterhütte erreichbar, sollte man sich als Notbehelf  – möglichst mit Abstand zu den Bäumen – in eine Mulde kauern.
Camping
  • Der ADAC warnt: Normale Zelte sind bei Blitzeinschlägen keine sichere Unterkunft. Schlägt der Blitz in das Gestänge ein, überspringt und durchschlägt er isolierte Stellen, beispielsweise den Zeltboden, und fließt meist ungleichmäßig verteilt über die Zeltstangen in die Erde ab. Um die Zeltstangen herum bilden sich dabei im Erdreich Spannungstrichter mit der Gefahr der Schrittspannung für den Zelter.
     
    Wer es nicht rechtzeitig aus dem Zelt in ein sicheres Gebäude schafft, sollte auf keinen Fall Zeltwand und Gestänge berührten und sich stattdessen möglichst in die Mitte des Zeltes hocken, rät der ADAC. Der blanke Boden ist ebenfalls gefährlich. Besser ist eine trockene Luftmatratze als Untergrund.
     
    Wohnwagen und Wohnmobile bieten normalerweise den gleichen sicheren Schutz wie Autos. Vorsicht ist laut ADAC allerdings bei den Fahrzeugen geboten, die aus reinem Kunststoff bestehen, wie etwa Wohnmobile in GFK-Bauweise: Sie bieten keinen Schutz. Eine Aluminium-Außenhaut oder eine Kunststoff-Beplankung auf einem Metall-Gerippe wirken bei Wohnmobilen jedoch ebenfalls wie ein „Faradayscher Käfig“.
Berge
  • In den Bergen gilt bei Gewittergefahr: Unverzüglich weg vom Gipfel und von exponierten Stellen wie Gipfelkreuzen, Masten, wasserführenden Bereichen, einzelnen Bäumen, Metalltreppen und drahtseilgesicherten Passagen. Möglichst eine Hütte mit Blitzableiter-Schutz erreichen. Ansonsten bieten auch größere Felsvorsprünge oder trockene Höhlen etwas Schutz. Das allerdings nur, wenn sie groß genug sind und zu Wänden und Decke mindestens eine halbe Körperlänge Abstand gewährleistet ist. Denn der Blitz kann auch hier einschlagen bzw. Steinschlag auftreten. Ansonsten in der eingangs beschriebenen "Blitzschutz-Hocke" Schutz in Mulden und Senken suchen. Die Füße auf Rucksack und/oder eine Isomatte stellen. Das isoliert etwas gegen den nassen Untergrund. Wer keine Möglichkeit mehr hat, aus einem Klettersteig auszusteigen, bleibt angeseilt, führt das Sicherungsseil über den Boden und berührt auf gar keinen Fall das Drahtseil.
Aktivitäten auf dem Wasser
  • Alles was auf, im und am Wasser stattfindet wie Schwimmen, Waten, Angeln oder Boot fahren, ist bei Gewitter lebensgefährlich. Hier sollte man bereits bei einem herannahenden Gewitter das Wasser und die Uferzone verlassen. Denn Wasser leitet elektrischen Strom hervorragend. Wer im Boot (besonders gefährdet sind Segelboote mit hohen Masten) vom Gewitter überrascht wird, sollte unter Deck gehen. Ist das nicht möglich, auf dem Boot in die "Blitzschutz-Hocke" gehen und keine Metallteile berühren.
Übrigens wird, bezogen auf eine Bevölkerungsanzahl von 82 Millionen in Deutschland und pro Jahr gerechnet, die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getötet zu werden mit rund 1:18 Millionen und die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden mit 1:6 Millionen angegeben. Bitte fest daran denken, wenn Sie in einer Mulde hockend, ein Gewitter überstehen müssen.
 
PS. Wer infolge eines Gewitters einen Unfall (dazu zählt auch ein Blitzschlag) mit dauerhaftem Gesundheitsschaden erleidet, kann seine private Unfallversicherung im Rahmen der vereinbarten Leistungen in Anspruch nehmen. Vor allem für Outdoor-Fans ist wichtig, dass eine Unfallversicherung auch für Such-, Rettungs- und Bergungskosten aufkommt.
 
Wir danken dem VDE e.V., Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) für die freundliche Unterstützung. Weitere Informationen finden Sie unter www.vor-blitzen-schuetzen.eu

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