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  • Von einem Tornado zerstörtes Haus

    Wie sind Sturm- und Tornadoschäden versichert?

Dresden, 27. Mai 2022 | (ks)
 
Die Unwettersaison des Sommerhalbjahres ist eröffnet. Neben extremen Gewittern mit Sturmböen, Hagel und Starkregen gab es vergangene Woche auch Tornados in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens. Diese zogen eine Schneise extremer Verwüstungen nach sich.
Lesen Sie nachfolgend: Welche Versicherung bezahlt Tornado-Schäden? Wie müssen Sie handeln, wenn Sie betroffen sind? Und wie hoch ist das Risiko, in Deutschland von schweren Sturmereignissen oder einem Tornado betroffen sein zu können?
 

Wie sind Sturm- und Tornado-Schäden versichert?

 
Die Wohngebäudeversicherung zahlt Sturmschäden am versicherten Haus, Nebengebäuden und Garagen wie beispielsweise
 
  •   abgedeckte Dächer,
  •   zerstörte Schornsteine
  •   zerbrochene Fensterscheiben (nur, wenn direkt durch Sturm verursacht)
  •   Schäden durch umgefallene Bäume.
Hierzu zählen sowohl die Schäden, die der Sturm direkt verursacht hat als auch Schäden, die durch herumfliegende Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände entstanden sind.
Voraussetzung ist, dass mindestens Windstärke 8 der Beaufort-Skala vorlag. Das heißt, eine Windgeschwindigkeit von mindestens 63 Kilometern pro Stunde. Der Nachweis kann beispielsweise eine offizielle Sturmwarnung sein. Ist die Windstärke 8 nicht feststellbar, leistet die Wohngebäudeversicherung auch, wenn beispielsweise Gebäude in der Umgebung in ähnlicher Weise geschädigt wurden. Oder wenn an baulich einwandfreien Gebäuden Schäden nur durch einen Sturm entstanden sein können. Einzelheiten dazu finden sich in den jeweiligen Versicherungsbedingungen.
Gut zu wissen aufgrund der aktuellen Bau- und Rohstofflage:
Die Wohngebäudeversicherung ersetzt Mehrkosten. Es handelt sich um "Aufwendungen für Preissteigerungen versicherter und vom Schaden betroffener Sachen zwischen dem Eintritt des Versicherungsfalles und der Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung". Gemeint sind steigende Baukosten. Relevant ist der Schutz gegen Preissteigerungen vor allem im Hinblick auf Verzögerungen durch Behörden. Es gelten im Einzelfall diverse Ausschlüsse und Einschränkungen.
Die Hausratversicherung leistet für Schäden
 
  • an der Wohnungseinrichtung
  • für Überspannungsschäden an Elektrogeräten infolge des Gewitters
Eine zusätzliche Elementarschaden-Versicherung deckt weitere Naturgefahren wie Überflutungsschäden durch Starkregen ab. Beispielsweise wenn der Keller vollgelaufen ist. Diese muss als Zusatzbaustein zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung vereinbart werden. In neueren Verträgen sind die weiteren Naturgefahren in der Regel bereits automatisch integriert.
 

Wie geht man nach einem Schaden am besten vor?

 
Leichter gesagt als getan – wer von einem massiven Sturmschaden betroffen ist, sollte schnell und umsichtig handeln. Eine Checkliste:
  • Melden Sie Schäden umgehend Ihrer Versicherung. Der Versicherer teilt Ihnen dann mit, ob Sie direkt einen Handwerker beauftragen können oder ob die Versicherung erst einen Gutachter vorbeischickt. Bis dahin sollten Versicherte alle Aufräum­arbeiten unterlassen, die die Feststellung des Schadens erschweren könnten. Auch Unrat sollte nicht ohne Abstimmung mit dem Versicherer weggeworfen werden.
  • Sie haben trotzdem eine Schadenminderungspflicht. Das heißt, Versicherte müssen – während die Abstimmung mit der Versicherung läuft – die Schäden so gering wie möglich halten. Es gilt, weitere Folgeschäden zu vermeiden. Dementsprechend müssen sie handeln. Beispielsweise zerstörte Fenster provisorisch schließen, damit kein Regenwasser die Einrichtung beschädigt. Auch sollten herum­liegende Äste, Dachziegel und Ähnliches weggeräumt werden.
  • Besonders wichtig ist deshalb, sofort die Schäden per Fotos und/oder Videos umfassend zu dokumentieren.
 

Kleine Wind- und Sturmkunde zum besseren Verständnis

Wenn vor Unwettern mit Gewitterböen und Sturm gewarnt wird, sollten Sie ungefähr einschätzen können, wie gefährlich es für Leib und Leben, Hab und Gut werden könnte. Wichtig ist die Risikoeinschätzung auch, um präventiv Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.
Von Windstärken aus den Wettervorhersagen hat zwar jeder schon gehört. Es ist jedoch schwer vorstellbar, welche Kraft sich dahinter verbirgt. Hier einige Beispiele:
  • Wind mit 45 km/h wirbelt (gefüllte) Mülltonnen mit einem Fassungsvermögen von 100 Litern umher. Ein Regenschirm lässt sich kaum noch halten.
  • Bei Wind mit 60 km/h fällt Fußgängern das Gehen zunehmend schwer.
  • Ab einer Windgeschwindigkeit von 100 km/h kann sich eine Person mit 80 kg Gewicht nicht mehr gegen den Wind stemmen.
  • Ab einer Geschwindigkeit von 144 km/h wird ein normales Auto mit ca. 1300 kg Gewicht umhergewirbelt.
 

Was ist die Beaufort-Skala?

Windstärken im Alltagsgebrauch werden anhand der international vereinbarten Beaufort-Skala angegeben. Diese ist ein Hilfsmittel, mit der die Windstärke anhand der Auswirkungen des Windes geschätzt werden kann. Sie reicht von Stärke 0 (Windstille) bis Stärke 12 (Orkan).
Francis Beaufort war ein Admiral im Dienste Englands. Im Jahre 1806 stellte er aufgrund der Segelführung einer alten britischen Schiffsform eine Windstärken-Skala auf, die später nach ihm benannt wurde. Für die praktische Anwendung auf Land und zur See ist diese Skala völlig ausreichend. Für andere Belange (Luftfahrt, weltweite Wettermeldungen) werden genauere Messungen der Windgeschwindigkeit (zum Beispiel Anemometer-Messungen) verwendet.

Beaufourt-Skala 0 bis 6: Von Windstille, über leichte Brise bis zum starken Wind

  • Windstärke 0: Absolute Windstille, sodass Rauch senkrecht aufsteigt.
  • Windstärke 1 (bis 5 km/h)Ein leichter Zug, der in einer Geschwindigkeit zwischen 1 und 5 Kilometer weht. Der Lufthauch ist kaum spürbar. Zu erkennen ist diese leichte Brise an den Kräuselwellen im Wasser.
  • Windstärke 2 (6 bis 11 km/h)Gilt als leichte Brise. Auf dem Meer können sich bei dieser Windstärke kurze Wellen an der Wasseroberfläche bilden. Man kann Blätter leise rascheln hören.
  • Windstärke 3 (12 bis 19 km/h): Ist eine schwache Brise
    – der Wind bewegt dünne Zweige.
  • Windstärke 4 (20 bis 28 km/h): Meteorologen sprechen von einer mäßigen Brise. Sie kann auf dem Boden liegendes Laub bewegen.
  • Windstärke 5 (29 bis 38 km/h): Bewegt bereits mittelgroße Äste und bildet Schaumkronen auf dem Meer. Man spricht von frischer Brise oder frischem Wind.
  • Windstärke 6 (39 bis 49 km/h): Ein deutliches Pfeifen ist zu hören. Der Wind bewegt bereits dicke Äste, wühlt das Meer auf und lässt Wellenkämme brechen. Meteorologen stufen das als starken Wind ein.
  • Windstärke 7 (50 bis 61 km/h): Starker Wind siehe Windstärke 6, ganze Bäume geraten in Bewegung.
  • Windstärke 8 (62 bis 74 km/h): Bei diesen Windgeschwindigkeiten wird es bereits stürmisch.
 

Wann wird Wind zum Sturm?

Sturm ist die Bezeichnung für einen Wind von großer Heftigkeit. Auf der Beaufort-Skala entspricht das der Stärke 9 bis 11. Der Sturm kann erhebliche Schäden und Zerstörungen, auch an Gebäuden und Autos anrichten.
  •   Windstärke 9 (75 bis 88 km/h): Sturm
  •   Windstärke 10 (89 bis 102 km/h): schwerer Sturm
  •   Windstärke 11 (103 bis 117 km/h): orkanartiger Sturm
 

Ab wann ist es ein Orkan?

Wenn Wind eine Geschwindigkeit von mindestens 118 km/h erreicht, hat er Orkanstärke. Das entspricht Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala. Im Gegensatz zu einem Hurrikan oder Taifun gibt es Orkane nur außerhalb der Tropen.
Das Wort "Orkan" leitet sich vom niederländischen "orkaan" für "schwerer Sturm" ab. Diese Bezeichnung kommt vom spanischen "huracán". Das wiederum geht auf ein Wort aus der Sprache der Taino, eines indigenen Volkes, das auf den Großen Antillen lebte, zurück. "Huracan" bedeutete bei ihnen "schwerer Sturm" und war auch der Name eines Unwettergottes. Orkan und Hurrikan haben also die gleiche sprachliche Wurzel.

Was ist ein Tornado?

Tornados sind die schnellsten Winde der Welt mit ungeheurer Zerstörungskraft. Der schnell rotierende Luftwirbel reicht von der Unterseite einer Wolke bis zum Erdboden oder bis zur Wasseroberfläche. In ihm können zerstörerische Windgeschwindigkeiten bis zu 500 km/h auftreten. Der Durchmesser des Tornado-Rüssels – eine sich drehende Säule aus Dreck, Trümmern und Staub – reicht oft nur von 20 bis 100 Metern. Aber auch ein Kilometer ist vorstellbar. Tornados dauern durchschnittlich nur zehn Minuten. Sie können aber auch nur wenige Sekunden oder etwas länger als eine Stunde bestehen.
 
Tornadorüssel 
Um die Heftigkeit von Tornados einordnen zu können, nutzen Fachleute die sogenannte Fujita-Skala. Sie beurteilt die Tornados nach den Schäden, die sie verursachen. Die Windstärken sind insofern theoretisch, weil eine Windmessung innerhalb eines Tornados kaum möglich ist.
Tornados entstehen in Gewittern innerhalb weniger Minuten. Für Meteorologen sind sie schwer vorhersagbar. Sie schlagen unberechenbare Haken – und fast alles, was der gierige Luftschlauch ansaugt, zertrümmert er mit brachialer Gewalt. Die Nähe zu einem Tornado bedeutet immer Lebensgefahr. Ein Tornado schlägt nicht nur unberechenbare Haken, er hat auch unberechenbare Launen. 1974 verwüstete in Xenia (Ohio, USA) ein Tornado ein Bauernhaus samt der kompletten Einrichtung – aber doch nicht ganz. Drei Dinge blieben heil: ein Spiegel, eine Kiste Eier und eine Schachtel mit Weihnachtsschmuck.
Tornado stammt aus dem Spanischen und bedeutet "drehend". Von "Twistern" spricht man deshalb umgangssprachlich in den USA.  In Deutschland wird ein Tornado auch Windhose oder Großtrompe genannt. Der Begriff Windhose stammt vom englischen Begriff "hose", was übersetzt "Schlauch" heißt.
Zerstörerische Tornados kennt man vor allem aus den USA. Aber auch in Deutschland kommen sie häufiger vor, als man das gemeinhin annimmt.
Der Deutsche Wetterdienst geht von durchschnittlich 40 Tornados pro Jahr in Deutschland aus. 2022 soll es laut dem Portal tornadoliste.de bereits acht bestätigte Tornados in Deutschland gegeben haben. Da die Häufigkeit von starken Sommergewittern zunimmt, steigt auch das Tornado-Risiko in Deutschland.
 

Was sind Hurrikans, Taifune und Zyklone?

Hier handelt sich um tropische Wirbelstürme. Der einzige Unterschied ist, wo sie sich bilden. Sie können mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 120 km/h auftreten, zerstörerisch und sogar tödlich sein, wenn sie auf die Küstenregionen treffen. Der Begriff Hurrikan bezieht sich speziell auf tropische Wirbelstürme, welche über dem Nordatlantik, östlichen Nordpazifik, der Karibik und dem Golf von Mexiko auftreten. Diese Regionen werden oft als Hurrikan-Becken bezeichnet. Tropische Stürme gleicher Intensität über dem westlichen Pazifik bezeichnet man stattdessen als Taifun. Stürme südlich des Äquators, vor der Küste von Orten wie Australien und Madagaskar als Zyklon. Da tropische Wirbelstürme über warmen Meeren entstehen, ist ihr Auftreten in Deutschland nahezu ausgeschlossen. Das Wetter in Deutschland kann jedoch von einem Hurrikan in einem anderen Land beeinflusst werden.
Wie Sie sich bei Sturmwarnungen vorbereiten können und was Sie beachten sollten, finden Sie in unserem Blogartikel "Sicherheitsmaßnahmen bei Sturmwarnungen".

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