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  • viele brennende Teelichte

    Sicherheit rund um Teelichte

Dresden, 30. November 2023 | (ks)
 
Teelichte/Teelichter gelten gegenüber Kerzen als ungefährlich. Und seitdem die Energiepreise in schmerzhafte Höhen gestiegen sind, sollen sie nicht nur Licht sondern auch Wärme spenden, wie geschäftstüchtige Bastler im Internet bewerben. So harmlos wie die Teelichter in ihren Alunäpfchen daherkommen, so brandgefährlich können sie sein. Viele unterschätzen das Risiko. Schauen wir uns die (Un)Sicherheit der Kerzen mal näher an.
 

Kleine Teelichtbiografie für Interessierte

Teekanne auf Stövchen
Die Holländer brachten 1610 den Tee nach Europa. Also erfanden die Holländer auch gleich die Teelichte und nannten sie "Waxinelichtje". Sie sollten in einem Stövchen den Tee warmhalten, daher ihr deutscher Name Teelicht. Später kamen andere Gefäße zum Warmhalten von Speisen und Getränken hinzu, in die Teelichter als Wärmespender integriert wurden.

Als spezielle Kerzenart führten Teelichte zunächst ein Nischendasein und wurden ausschließlich in Stövchen verwendet. Erst in den 80er Jahren trat das Teelicht seinen Siegeszug auf dem Markt der Kerzen an. Gab es bis 1980 nur Packungen mit maximal 10 Teelichten, so gibt es heute Packungen mit 50, 100 oder sogar 150 Teelichten. Nur noch wenige Teelichter werden zum Warmhalten von Tee verwendet.
 

Kerzen, die sich vollständig verflüssigen

brennendes Teelicht im Glasbehälter
Teelichte sind kleine, zylindrische Kerzen, die in einem Behälter aus nicht brennbarem Material (z. B. Metall, Glas, Keramik oder Kunststoff) abgebrannt werden. Teelichte bestehen in der Regel aus Paraffin. Wenn sie brennen, verflüssigen sie sich aufgrund ihrer Beschaffenheit vollständig und entwickeln eine beträchtliche Hitze. Dies führt zu einer erheblichen Erwärmung des Trägergefäßes und zu einer verstärkten Bildung brennbarer Dämpfe. Deshalb müssen auch Teelichte in einem ausreichenden Sicherheitsabstand zueinander aufgestellt werden. Die Hersteller empfehlen einen Mindestabstand von 3 cm zwischen den Teelichtern. Andernfalls kann es zu einer schlagartigen, unkontrollierten Entzündung der aus den Kerzen aufsteigenden Dämpfe kommen.
 

Gefährlicher Wachsbrand

Für Teelichter gilt: Die Anzahl und der fehlende Abstand machen sie brandgefährlich. Stehen die Teelichter dicht an dicht, erhitzen sich die Aluminiumschalen mit dem Paraffin enorm, bis der Siedepunkt des Wachses bei 250 Grad erreicht ist. Dann vereinigen sich die einzelnen Flammen zu einem Feuer. Nach kurzer Zeit entsteht ein Flächenbrand beziehungsweise Wachsbrand.
Das brennende Wachs lässt sich kaum löschen - schon gar nicht mit Wasser, da es durch die enorme Hitze sofort verdampft. Bei Löschversuchen mit Wasser spritzt das brennende Wachs zusammen mit dem Dampf umher. Das birgt ein hohes Verletzungsrisiko. Außerdem entstehen Stichflammen, die zu schweren Verbrennungen und zu einem Wohnungsbrand führen können. In diesem Fall darf nur eine Löschdecke, ein Löschspray oder ein für Flüssigkeitsbrände zugelassener Feuerlöscher verwendet werden.
 
Wie sich so ein Wachsbrand entwickelt, veranschaulicht das folgende Video von SWR Marktcheck.

Der richtige Umgang mit Teelichten

Die kleinen Kerzen, erst recht, wenn sie in einer Gruppe brennen, sind also nicht zu unterschätzen. Beherzigen Sie bitte folgende Tipps, damit nichts passiert.
 
  • Niemals mehrere Teelichter dicht nebeneinander stellen. Halten Sie immer den vom Hersteller auf der Verpackung angegebenen Mindestabstand ein.
  • Teelichter nie auf leicht entflammbare Unterlagen wie Servietten oder Tannenzweige stellen.
  • Brennende Teelichter niemals bewegen oder mit Fremdkörpern in Berührung bringen. Dies kann zum Verschütten des heißen Wachses und zur Entzündung der aufsteigenden Dämpfe oberhalb des Teelichtbechers führen. Dadurch entsteht eine viel größere Flamme. Diese ist schwer zu löschen und kann zu Verletzungen und zur Ausbreitung eines Brandes führen.
  • Löschen Sie brennende Teelichter niemals mit Wasser. Dadurch würde der Brand nur noch angefacht und könnte sich unkontrolliert weiter ausbreiten. Verwenden Sie immer eine Löschdecke, besser noch in Feuerlöschspray für Fettbrände. Das ist in Baumärkten oder online erhältlich.
 
Herz aus brennenden Teelichten
Foto: Pixabay; svklimkin
Teelichter kreativ: So schön wie das Herz aussieht, das kann gefährlich werden.
 

Mit Teelichtern heizen?

Das Wort Stövchen kommt von Stuve und ist die niederdeutsche Bezeichnung für eine beheizbare Stube. Spätestens im Herbst 2022, als alle Welt von der Energiekrise sprach und es einem schon kalt den Rücken hinunterlief, nahmen Bastler und Tüftler "beheizbare Stube" wörtlich und setzten den Trend zum Teelichtofen in Gang. Wie schon geschrieben, können mehrere Teelichter eine enorme Wärme entwickeln. Sind sie also als Ersatzheizung für Wohnräume geeignet? Mitnichten! Weder effizient, was die Heizleistung angeht, noch finanziell, um Kosten zu sparen.
 
Den Feuerwehren, Schornsteinfegern, Brandsachverständigen und Versicherern stehen angesichts dieses leichtsinnigen Trends die Haare zu Berge.
„Wir sehen mit Sorge, zu welch abenteuerlichen Mitteln manche Mieter und Hausbesitzer greifen“.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen

Riskante Teelichtöfen

Teelichtöfen werden auch als Kerzenöfen oder Prepperöfen bezeichnet. Ihr Aufbau ist einfach. Auf einem Blumenuntersetzer aus Ton wird in der Mitte ein Stab befestigt. Am oberen Ende werden ein oder zwei umgedrehte Blumentöpfe aufgesetzt. Dann werden mehrere brennende Teelichter auf den Tonuntersetzer gestellt. Ihre Wärme steigt nach oben und die Tontöpfe geben sie als Strahlungswärme ab.
 
So weit, so gut, so wirkungsschwach. Denn ein Teelicht hat nur 30 bis 40 Watt. Selbst mit fünf Teelichtern kommt die DIY-Heizung also nur auf eine Heizleistung von 150 bis 200 Watt. Zum Vergleich: Für einen sanierten Altbau benötigt man mit einer herkömmlichen Heizung 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter. Je nach Raumgröße werden also 1000 Watt und mehr benötigt. Außerdem verbrauchen die Kerzen Sauerstoff, sodass der Raum regelmäßig gelüftet werden muss – wodurch die Wärme wieder aus dem Fenster entweicht. 
 
Neben der ständigen Gefahr, die von offenem Feuer ausgeht, kann durch den Teelichtofen auch ein Wachsbrand entstehen, wenn zu viele Teelichter zu dicht nebeneinander stehen. Der Teelichtofen birgt also ein hohes Brand- und Explosionspotenzial. Das Risiko ist das bisschen Strahlungswärme in der unmittelbaren Nähe des Ofens nicht wert.
 

Weitere Heizungsalternativen mit Gefahrenpotenzial

 
  • Gasbetriebene Heizstrahler, Kohle- oder Gasgrills haben in Wohnungen grundsätzlich nichts zu suchen. Neben der erhöhten Brandgefahr können in geschlossenen Räumen giftige Rauchgase entstehen. Besser erstickt als erfroren, wie der Volksmund so schön sagt, kann nicht die Devise sein.
  • Auch Dekokamine, die mit Ethanol betrieben werden, sind nicht zum Heizen geeignet. Sie dienen lediglich der dekorativen Behaglichkeit. Auch bei ihnen ist zudem regelmäßiges Lüften wichtig, da beim Betrieb unter anderem Kohlendioxid entsteht. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e.V. (IFS) hat bei seinen Untersuchungen festgestellt, dass Unfälle durch Ethanolkamine zumeist auf Bedienfehler zurückzuführen sind.
  • Bei Elektrolüftern und -strahlern ist bei der Verwendung Vorsicht geboten. Sie sind in erster Linie dazu bestimmt, kleine Räume in kurzer Zeit zu erwärmen oder als kurzfristige Heizalternative zu dienen. In Europa hergestellte Geräte schalten sich zwar bei Überhitzung ab. Eine Gefahr ihres Betriebes liegt darin, dass bei hoher Dauerbelastung beziehungsweise Überlastung Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel, an denen sie angeschlossen sind, überhitzen und Brände verursachen können.
 

Der Betrieb eines Teelichtofens ist auch eine Gefahr für den Versicherungsschutz

Verursacht der Betrieb eines Teelichtofens in Innenräumen einen Brand, kann eine  Hausrat- oder  Wohngebäudeversicherung unter Umständen den Schadenersatz anteilig kürzen oder in besonders schwerwiegenden Fällen komplett verwehren. Grund ist grobe Fahrlässigkeit. Wie die Versicherer dies im Einzelnen handhaben, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen werden vertragsindividuell abgeschlossen. So lässt sich, wie bei der Sparkassen-Versicherung Sachsen, grobe Fahrlässigkeit beispielsweise als erweiterte Leistung in beide Policen einschließen.

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